Luftschutzstollen in Münster

Obwohl der zweite Weltkrieg im vollen Gange und ein Ende bereits abzusehen war, wurden noch viele Luftschutzanlagen für die Bevölkerung der Städte gebaut. Das dazu benötigte Baumaterial wurde allmählich knapp, so dass man gezwungen war, verstärkt Hochbunker anstatt Tiefbunker zu
errichten. Zusätzlich ging es erheblich schneller einen Hochbunker zu bauen. Eine Ausnahme bildeten die Luftschutzstollen, deren Bauvorhaben besonders seit dem Sommer 1943 verstärkt in Angriff genommen wurden, zumal sie sich schon vielfach und gut bewährt hatten. Es gab bis dahin so gut wie keine Toten oder Verletzten in LS-Stollen.
Einen Luftschutzstollen zu bauen hieß im Klartext: Geringe Baustoffmenge trotz zahlreicher Schutzplätze. Die Zivilschutzstollen konnten praktisch überall dort errichtet werden, wo die Grundwasserverhältnisse und natürlich die Landschaftsformationen dies zuließen. Man unterscheidet zwischen den beiden (Haupt)Arten von Luftschutzstollen:
Zum Einen gab es die so genannten Tiefstollen, die sehr sicher waren und sogar Volltreffer aushielten. Diese waren allerdings sehr teuer und die Bauzeit von einem Tiefstollen war sehr lang.
Zum Anderen gab es die Hangstollen, welche deutlich billiger waren, schneller erbaut werden konnten und somit auch schneller einsatzbereit waren.
Die Hangstollen waren allerdings nicht so sicher wie die Tiefstollen. Tiefstollen konnten praktisch überall gebaut werden. Für den Bau eines Hangstollens musste es schon hügelig oder bergig sein. Man wusste sich aber zu helfen...
Hangstollen wurden aus der Not heraus auch in Halden (siehe
Lünen) oder in Bahndämme (wie hier in Münster) getrieben. Tiefstollen waren meist 20 bis 100 Meter tief in den Erdboden waagerecht gegrabene Stollensysteme. Sie konnten parallel oder auch übereinander verlaufen. Sie besaßen mehrere Zugangsschächte mit Treppen oder Leitern. Manchmal gab es sogar einen Fahrstuhl und die Eingänge waren verbunkert, das heißt: Die Eingänge nach unten befanden sich in einem extra dafür angelegten betonierten Überbau, damit der einzige Schwachpunkt (Gefahr durch Verschüttung) auch noch geschützt war. Außer in Städten mit Bergbau (Lünen, Ibbenbüren, Königswinter), wo die Tiefstollen sozusagen schon vorhanden waren und nur noch etwas ausgebaut werden mussten (Lüftung, Sitzplätze, sanitäre Einrichtungen usw.), wurden nur sehr wenige Tiefstollen extra gebaut.
Hangstollen wurden nicht nur von den Städten und Gemeinden gebaut. Viele Stollen wurden auch von Privatleuten oder von Mitarbeitern großer Firmen unter fachmännischer Aufsicht von Bergleuten in die Hänge getrieben. Damit auch die Hangstollen einigermaßen sicher waren, gab es verschiedene Vorschriften zu der Überdeckung der Stollen. Als am Sichersten galten die Luftschutzstollen, die in Steinbrüchen oder Steilwänden im Gebirge in den blanken Fels getrieben wurden (
Ibbenbüren-Osterledde).
Gerne wurden auch alte Kupfer- oder Erz- oder sonstige Stollen aus dem Altbergbau für Luftschutzzwecke umgerüstet. (Siehe
Ofenkaulen)
Vor Allem bei den LS-Stollen in Abraumhalden (
Lünen-Brambauer) und in Bahndämmen (Münster-Süd) konnten die vorgegebenen "Deckenstärken" von sechs bis 12 Meter (je nach Gestein oder Schotter) oft nicht eingehalten werden. Die Mindestbreite eines LS-Stollens betrug 1,65 Meter für die erste Bankreihe und 2,30 Meter für zwei gegenüberliegende Bankreihen.
Die Stollen waren oft von innen mit Beton ausgekleidet und die Höhe betrug immer um die zwei Meter, so dass man zügig durchlaufen konnte und, sollte es einmal voller werden, man noch stehen konnte. Die Länge der LS-Stollen variierte zwischen zehn Metern bis hin zu einer Länge von über 1000 Metern. Oft gab es ganze Stollensysteme, in denen bis zu sechs Luftschutzstollen nebeneinander lagen und mit Querstollen miteinander verbunden waren. Wie bei einem Bunker oder Rohrdeckungsgraben waren mindestens zwei Zugänge Vorschrift. Um den Schutzraum vor Druckwellen oder vor Splittern zu schützen, wurde der Eingangsbereich rechtwinklig abgeknickt, oder es wurde ein Vorbau, der aus einer Mauer oder aus einem Erddamm bestehen konnte, direkt vor dem Eingang errichtet. Zusätzlich wurde das Innere der LS-Stollen noch mit gassicheren Panzertüren gegen chemische Kampfstoffe geschützt. Verschließbare Lüftungsrohre und Druckausgleichventile wurden ebenfalls installiert (letztere wurden allerdings nicht immer mit eingebaut, manchmal wurde lediglich ein Luftrohr oder ein Luftschacht nach oben angelegt.). Die größeren Luftschutzstollen hatten oft Toilettenräume, eine Gasschleuse, Maschinenräume für Strom und Heizung/Lüftung, Lagerräume und Vorräume zusätzlich zu den Aufenthaltsräumen. Seltener waren in den LS-Stollen auch Schutzlüfter und Brunnen zur Frischwasserversorgung zu finden.
Heutzutage sind viele LS-Stollen nicht mehr vorhanden, vergessen und zugeschüttet oder mit einer Betonplombe versiegelt. Vereinzelt sind die Stollen auch für den Fledermausschutz hergerichtet.
In den Archiven finden sich kaum Pläne solcher Zivilschutzanlagen, trotzdem fanden wir aber schon verschiedene Arten dieser ...

...Luftschutzstollen...

LS-Stollen in Münster - Im Bahndamm Münster-Süd (siehe unten)
LS-Stollen Lünen-Brambauer - Abraumhalde der Zeche Achenbach
LS-Stollen in Ibbenbüren in einer Felswand aus der Altbergbau-Zeit
LS-Stollen (Höhle) in Balve Sanssouci
Auch die
Ofenkaulen in Königswinter wurden von der Königswinterer Bevölkerung als LS-Stollen benutzt
LS-Stollen im Landschaftspark Duisburg Nord

Eismann, Februar 2004

 

.

LS-Stollen in Münster-Süd
LS-Stollen in Münster-Süd
Knauf der Tür
Elektrik
Druckschutztür

LS-Stollen in Münster-Süd

Der Blick in den Luftschutzstollen in Münster-Süd, der in den Bahndamm gebaut wurde. Der Stollen ist mit einer Stahlkonstruktion ausgekleidet.
Der LS-Stollen bestand aus drei Räumen - je einem Ein- bzw. Ausgang und dem langen (50m) Aufenthaltsraum. Der Stollen wurde nachträglich in der Mitte mit einer Doppelmauer verbaut, da er eingestürzt ist. Vom abgetrennten Teil gibt es leider keine Fotos.

Rechts sieht man eine alte Sitzbank, im hinteren Teil ein Sofa, dahinter die angesprochene Vermauerung.

Der Blick von Innen auf den Eingangsbereich - links die Bank, rechts ein Sockel für eine weitere Bank.

Im Eingangsbereich des LS-Stollens kann man die alte Stromversorgung und die Lüftungsrohre erkennen.

Der gassichere Luftschutzstollen besitzt eine Panzertür, die den Eingangsbereich vom Aufenthaltsraum trennt. Heute hängt die Tür fast nicht mehr in Angeln, sie ist in einem desolaten Zustand, trotzdem kann man Details erkennen.

Im Hintergrund sieht man den verwinkelten Eingangsbereich.

Der Verschluss der Panzertür von der Firma Wilka. Die Firma produziert noch heute Schlösser und andere Produkte für die Schließtechnik. Ob nur das Schloss, oder die ganze Tür von der Firma Wilka produziert wurde ist uns leider nicht bekannt.

Der Luftschutzstollen befindet sich in Münster-Süd im Bahndamm, genauere Ortsangaben werden wir nicht bekannt geben, da auch hier jetzt schon zu viel Vandalismus zu erkennen ist.

Februar 2004

LS-Stollen