Tiefbunker unter dem Bahnhof Münster

EingangIm Zuge der “Gleisgänge”, veranstaltet von StattReisen Münster, hatten wir die Möglichkeit, den Tiefbunker im HBF Münster von innen zu sehen. Für ein paar Stunden öffnete der zuständige Bunkerwart der Feuerwehr Münster, Herr Peters, “seinen” Bunker. Die Bunkertüren, die man ja im Gang zwischen Bremer Platz und Berliner Platz sehen kann, waren uns ja schon lange bekannt, aber was es dahinter zu sehen gibt, ahnten wir nicht...

Der Tiefbunker wurde 1941 erbaut.
Der Tiefbunker wurde für eine Belegstärke von 2100 Personen konzipiert und gebaut.
Der Bunker wurde am 10.10.1943 von zwei Zehn-Zentner-Bomben getroffen. Eine der Bomben richtete verheerenden Schaden an - es gab Verletzte, aber keine Toten. Eine Innenwand des Bunkers wurde eingedrückt und musste neu betoniert werden.

Die Bilder oben und links zeigen drei der vier Eingänge im Nordtunnel des Bahnhofes, die zum Tiefbunker führen. Insgesamt gibt es fünf Zugänge.
Der fünfte befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bahn AG Ecke Eisenbahnstrasse/
Wolbeckerstrasse.

 

 

Eingang II
Eingang

 

Eingang innen

 

 

 

Beschriftung der Druckschutztür von innen:

“Vorsicht  !
Fußgänger im Tunnel  !
Tür langsam öffnen   !”

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Verwinkelung
Gänge...

oben links: eine weitere Druckschutztür im Eingangsbereich
oben rechts: Der Gang ins Innere des Bunkers, die Tür auf der rechten Seite führt in den Abwasserraum.- Kein Zutritt.

SitzreihenIn den sechziger Jahren kam dann für den Zivilschutz das Schutzbaugesetz, das besagte, Anlagen seien in ihrer Funktion, die sie im Krieg hatten wieder herzustellen.
Die Anlage wurde nach einer Modernisierung in den siebziger Jahren “Wiederbelebt”. Der Ausbau erreichte Ende der siebziger Jahre den heutigen Zustand.

 

 

 

 

 

Oben:
Einige der Sitzplätze im Tiefbunker. Dazu aber später mehr.

Gänge...Auf diesem Bild erkennt man die enorme Anzahl von Versorgungsleitungen, die einen Tiefbunker dieser Größe funktionstüchtig machen. Es handelt sich hierbei sozusagen um die Adern des Bunkers.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgang 3 - Rettungsraum - Toiletten
Toiletten

 

 

Waschraum

 

 

Besonders an den Waschräumen und den Toiletten kann man gut erkennen, dass sich der Zustand im Bunker nicht verändert hat.

 

 

 

 

 

Gänge und Sitzreihen...
...Sitzreihen und Gänge...

 

Die Gänge führten uns immer tiefer in den Bunker - erstaunlich, was sich unter der Oberfläche von Münster so unbemerkt verstecken kann.

 

Lüftungsanlage
Luwa-Filter

Luwa-FilterNun werfen wir einen Blick in die “Lunge”.
Mit dieser atmet der Tiefbunker sozusagen - Die Lüftungsmaschine

Die Bilder zeigen die noch verplombten Luftfilter.
Es gibt zwei Arten von Luftfiltern:

1.: Die äußeren Filter, die so genannten Sandfilter. Diese dienen lediglich dazu Hitze von potenziellen Explosionen außerhalb abzuhalten.
2.: Die Raumfilter. Diese filtern, unter anderem mit Hilfe von Aktivkohle, Schwebstoffe und biologische Kampfmittel aus der Luft.
Der Tiefbunker im Hauptbahnhof wird immer (außer im Ernstfall) mit Dummies gefahren. Die “echten” Filter bleiben so verschlossen und damit mehrere Jahrzehnte einsatzbereit.

Beschriftung der Luftfilter:

Luwa
Filter:            R10
Baujahr:         1971
Fabr. Nr.:       0533
Nennluftm.:    600 m³/h
Wiederstd.:  60mmWS
Gewicht:       170 kg”

 

Die Anlage hat ein Leistungsvolumen von18.000m³ Luft pro Stunde. Dies entspricht 9m³ pro Person und Stunde, wenn der Bunker voll besetzt ist.
Um den Bunker vollbesetzt mit Frischluft zu versorgen wären aber nur 1,8m³ Luft pro Person und Stunde nötig.
Dies ist eine eingeplante Überversorgung, um Puffer zu haben sollte mal einer der Filter ausfallen.

Zudem wird der Bunker unter Überdruck gehalten, so dass Kampfstoffe nicht durch Türen o.Ä. eindringen können.

Elektronik
Normalluftventilator Nr. 2

 

Knöpfe...
Schaltzentrale

 

 

 

Die oberen Bilder zeigen von links nach rechts und von oben nach unten: Die Anzeigetafel für die Filter und Lüftungsgeräte - den Normalluftventilator Nr. 2 - Schalter für die Lüftungsfunktionen - den Zugang zum Filterraum.

Sitzreihen und Bänke

Weiter geht es durch endlose scheinende Gänge im Tiefbunker...

 

 

 

 

 


 

 

Lüftungsanlagen
Wasserfilterraum

oben links: Lufthutzen im Maschinenraum. - oben rechts: Druckschutztür des Wasserfilterraumes mit Beschriftung:

“Wasserfilterraum”
Beschriftung der Tür: “Bei Kampfhandlungen Tür geschlossen halten! Der Raum kann verstrahlt sein! Nach unbedingt notwendigen Reparaturarbeiten - Dekontaminierung benutzen vor Verlassen des verstrahlten Raumes.”

Pumpen
Dieselaggregat

 

#Der Tiefbunker hat zwei Herzen - die Lüftungsmaschine und die Strommaschine - wir begeben uns nun zur Strommaschine...

LampenLampen für den absoluten Notfall - Stromausfall im Tiefbunker.

Wie bei vielen Teilen im Tiefbunker verhält es sich auch hier folgendermaßen: die Sachen sind vor Ort, aber eingemottet.
So sind die Akkus der Lampen noch alle versiegelt - das verhindert eine Selbstentladung und so die Unbrauchbarkeit der Lampen im Fall der Fälle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlasserbatterien

 

 

 

 

Die Anlasserbatterien der beiden Stromaggregate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bunkerwart

 

 

 

 

Ein Blick hinter den Diesel.....

Unten: Der Bunkerwart an seiner Maschine...

 

 

 

 

Der DieselDer Tiefbunker im Bahnhof besitzt zwei baugleiche Stromaggregate. Diese werden mit Diesel betrieben. Der Abgasschacht (siehe die beiden Bilder unten) für die Aggregate steht zwischen den Gleisen 9 und 12 auf Höhe von Gleis 11.

Eines der beiden Aggregate würde für die Versorgung des Bunkers auch im Krisenfall reichen - das zweite ist nur zur doppelten Absicherung vorhanden (vgl. Filter).

Das besondere an den Dieselmotoren ist, dass jeder Motor zwei Ölwannen hat. Eine der Ölwannen fasst 80L, die andere 400L, während des Betriebes ist eine Umschaltung von Wanne I auf Wanne II möglich - so kann man während des Betriebes einen Ölwechsel durchführen.

 

 

Abgasschacht
Abgasschacht

 

Steuerzentrale für den Diesel
Steuerzentrale für den Diesel

 

Kühlwasserbehälter

links:
“Kühlwasserbehälter
für die Lüftungsanlagen Kann im Notfall als Trinkwasser verwandt werden!”

 

 

 

 

 

 

Gänge...Sitzreihen...

 

 

 

 

 

 

Und weiter geht’s...

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgang 5 - Rettungsraum - Toiletten - Küche

Liegen
Liegen

Sitzreihen
Gänge

Sitze
Sitze

Der Bahnhofsbunker bietet Platz für 2100 Personen. Er hat 1200 Sitzplätze und 700 Liegeplätze.
Diese könnten im voll ausgestatteten Bunker 14 Tage ohne Außenkontakt ausharren.
 Bei dieser großen Anzahl an Personen wird der Bunker gekühlt, nicht etwa geheizt. 2100 Personen verursachen genug Wärme...
Einmal im Jahr wird der Bunker vom TÜV abgenommen - die Überprüfung dauert drei Tage.

 

Das Magazin
Das Magazin
Das Lager:
Bis auf wenig Kochgeschirr, einige andere Kleinigkeiten und Bettbezüge für 50% der Betten befindet sich hier nichts. Verderbliche Sachen (Nahrungsmittel etc.) müssten herbeigeschafft werden.

Die offiziell vorgegebene Aufrüstzeit beträgt neun Monate, allerdings könnten die Versorgungsgüter für 2000 Personen für zehn Stunden innerhalb einer Stunde besorgt werden.

Auf dem Gelände des Bahnhofes gibt es vier voneinander unabhängige Notbrunnen, die der Versorgung des Tiefbunkers mit Trink- und Nutzwasser dienen.

 

 

Scharte
Druckschutztür

Durch die Verwinkelung im Eingangsbereich wird einerseits die Druckwelle von Detonationen in unmittelbarer Nähe gebrochen, andererseits dient sie dem Strahlenschutz.
Hinter der Scharte im oberen Bild würde im Ernstfall ein Mitarbeiter sitzen, der die Zahl der Personen kontrolliert, die den Bunker betreten. Bei erreichen der höchstzulässigen Personenzahl wird der Bunker unweigerlich verschlossen...

Blick zurück

Ein letzter Blick zurück...

 

Wand- und Deckenstärken:
Wände: drei Meter Beton
Decke: 1,6 Meter Beton, darüber befindet sich das neun Meter mächtige Gleisbett.
Der Bunker bietet hauptsächlich Schutz vor Splittern, Vertrümmung und Bränden. Einen Volltreffer könnte der Bunker nicht stand halten.

Nach dem zweiten Weltkrieg war der Tiefbunker noch während des Bosnien-Konfliktes in drei Fällen im Einsatz. Als große Massen von Flüchtlingen im Hauptbahnhof Münster eintrafen wurde er geöffnet. Im Bunker fand dann die Versorgung, Verpflegung und die Organisation der Weiterführung der Flüchtlinge statt.

Vielen Dank an die Herren Burrichter, Wessels und Peters von der Feuerwehr Münster für die Führung durch den Tiefbunker und die vielen Informationen.

18. September 2003

 

 

Nachtrag - 28.11.2005: Durch den überraschenden Wintereinbruch in NRW fiel in großen Teilen des Münsterlandes die Stromversorgung aus. Am Bahnhof in Münster “strandeten” dadurch viele Menschen, die nicht weiterreisen konnten. Daraufhin wurde der Tiefbunker geöffnet, um diesen Menschen als Notunterkunft zu dienen.

Zeitungsartikel der “Westfälischen Nachrichten” vom 28.11.2005

Zeitungsartikel der “Münsterschen Zeitung” vom 28.11.2005

 

Nachtrag Dezember 2006: Im Rahmen eines Drehtages mit dem WDR-Münster für die Lokalzeit Münsterland hatten wir noch einmal die Gelegenheit uns den Tiefbunker unter dem Bahnhof in Münster anzuschauen. Dabei entstanden auch viele neue Bilder, die in den hier vorliegenden Bericht eingepflegt wurden. Wir hoffen, auch die anderen alten Bilder möglichst bald durch neuere und bessere ersetzen zu können.

Wir bedanken uns herzlich bei den Herren Wessels und Peters von der Feuerwehr Münster, ohne die diese Besichtigung nicht möglich gewesen wäre!

 

 

 

 

Hauptbahnhof