Der Zwinger in Münster

Zwinger MünsterVon der einst umfangreichen Befestigungsan lage der Stadt Münster haben sich nur wenige Reste erhalten.
Der bedeutendste Teil davon ist sicherlich der östlich vom Neubrückentor gelegene Zwinger. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts kam es zu einer erheblichen Verstärkung der münsterischen Stadtbefestigung. Vor der Stadtmauer mit Graben wurde ein Außenwall mit Außengraben angelegt. Etwa ein Jahrhundert später begann die Stadt so genannte Bollwerke als große, dem Wall vorgelaZwinger Münstergerte Befestigungen zu errichten. Zusammen mit dem Neuwerk im Süden stellt der Zwinger - auch als "dat grote Bollwerk" bezeichnet - den Abschluss der spätmittelalterlichen münsterischen Stadtbefestigung dar. Beide Bollwerke liegen an besonders gefährdeten Stellen, nämlich dort, wo der Flusslauf der Aa die Befestigungen durchschneidet. Mit einem Durchmesser von über 24 Metern und ursprünglich ca. 4,60 Meter dicken Außenmauern gehörte der Zwinger zu den bedeutendsten Wehrtürmen des Jahrhunderts in Deutschland. Der innere Hohlraum war in mehrere Stockwerke unterteilt, von denen aus die Schießscharten zugänglich waren. Nach der Niederlage der Wiedertäufer im Jahre 1535 ließ Fürstbischof Franz von Waldeck den Zwinger zu einer Festung umbauen, die weitere Aufstände und Unruhen in Münster verhindern sollte. Wenig später erhielt die Stadt ihr Recht auf Wehrhoheit zurück. Der Zwinger hatte damit seine Funktion als gegen die Stadt Münster gerichtete Zwingburg verloren. Über seine Nutzung in den folgenden Jahrhunderten ist nur wenig bekannt. Unter anderem diente er als Pulverlager und Roßmühle. Eine neue Bestimmung erhielt das Gebäude nach 1732, als Johann Conrad Schlaun auf Beschluss des Landtages ein Zuchthaus als Arbeits- und Besserungsanstalt errichtete. Der Zwinger, der unmittelbar mit dem Zuchthaus verbunden war, diente fortan als Zwinger MünsterGefängnis für besonders schwere Straftäter. Selbst nachdem zwischen 1847 und 1851 das neue Zuchthaus an der Gartenstraße fertiggestellt worden war, scheint der Zwinger noch als Gefängnis genutzt worden zu sein. Der Abbruch des alten Wehrturmes konnte durch den Einspruch des Landeskonservators im Jahre 1900 verhindert werden. Die Stadt Münster erwarb das Gebäude im Jahr 1911 mit der Verpflichtung, es als "historisches Denkmal" zu erhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg vermietete die Stadt den Zwinger in Münster an einen münsterischen Maler, der ihn als Wohnung und Atelier nutzte. Sein dunkelstes Kapitel erlebte der Zwinger in der Zeit des Nationalsozialismus. Er wurde zunächst zu einem "Kulturheim der münsterischen Hitler-Jugend" umgebaut. Seit 1944 war der Zwinger Inhaftierungs- und Hinrichtungsstätte der Geheimen Staatspolizei. Auch nach der teilweisen Zerstörung durch Bombenangriffe im Frühjahr 1945 scheint die Gestapo die Hinrichtungen der ausländischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen im Innenhof noch fortgesetzt zu haben. Nach dem Krieg verfiel der Zwinger in Münster immer weiter. Seine düstere Vergangenheit erweckte jedoch das Interesse daran, diese Ruine als Mahnmal zu gestalten. Aus diesen Gedanken heraus entwickelte sich bald öffentliches Anliegen. Die städtische Presse forderte die Bevölkerung zum Einreichen von Gestaltungsideen auf, mehrere Künstlerwettbewerbe schlossen sich an, und schließlich sollte der Schriftsteller Heinrich Böll den Text für eine Gedenktafel foZwinger Münsterrmulieren. All diese Aktivitäten fielen dem chronischen Mangel an Finanzmitteln und dem Fehlen einer überzeugenden Gesamtkonzeption zum Opfer. Erst als die Künstlerin Rebecca Horn ihre Installation "Das gegenläufige Konzert" im Inneren des Zwingers für die Skulpturen-Ausstellung 1987 realisierte, wurde der Gedanke zu einer Restaurierung des Gebäudes als Gedenkstätte wieder lebendig. Im September 1989 beschloss der Rat der Stadt Münster, den Zwinger unter Einbeziehung des Kunstwerkes von Rebecca Horn als Mahnmal zu nutzen, zur Erinnerung an die Opfer der Gewalt in Münster, an die Opfer der Kriegsgewalt und der Verfolgung Unschuldiger, besonders an die unmenschliche Strafjustiz und den Terror gegen politische Gegner, Angehörige von Minderheiten und Kriegsgefangene während des Nazi-Regimes.

 

Zwinger Münster

Der Zwinger in Münster ist von April bis Oktober im Rahmen von Führungen zu besichtigen:
1. Sonntag im Monat um 11 Uhr
3. Donnerstag im Monat um 20 Uhr
Gruppenführungen täglich nach Vereinbarung
Von Juni bis September ist der Zwinger in Münster zusätzlich sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Auskunft und Anmeldung:
Stadtmuseum Münster, Salzstraße 28, 48143 Münster, Tel.: 0251-4924503
E-Mail: museum@stadt-muenster.de

(Fotos von Georg, Erik und Olly)

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