Höhlen im Hönnetal/Sauerland

Januar 2003: Wir wollen mal wieder ein paar Tage Urlaub machen. Einfach in die Natur, um zu wandern, auszuspannen und um einfach mal wieder aus Münster und dem Stadtlärm rauszukommen.
Nach einer kurzen Beratung war uns klar: Sauerland!
Da wollen wir hinne!
Um den genauen Zielort zu ermitteln, wurde der Zufallsgenerator (Olly) aktiviert. Bei "Stop!" rief er laut "Balve" aus. Na gut, ganz zufällig kamen wir natürlich nicht auf Balve, denn dort gab es schon zwei Objekte, die wir seit langem mal anschauen wollten - aber dazu später mehr.
Nach einigen Telefonaten in den nächsten Tagen war alles klar. Eine Pension in Balve erwartete das
7Grad-Team vom 14. - 18. April 2003.
“Endlich wieder ins Mittelgebirge”, dachten wir uns und: “Vielleicht finden wir ja auch was Interessantes bei unseren Wanderungen.” Das "Aprilwetter" war uns eh egal, aber es wurde besser, als wir dachten.
Am 14.04. war es dann endlich soweit.
Laut Stadtplan und Wanderkarte sollte uns auch die eine oder andere Höhle am Wegesrand beglücken - worauf wir uns natürlich sehr freuten.
Also die "mittlere" Ausrüstung zusammengepackt und bei 15°C und münsterländischen Nieselregen los. Die Zugfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und wir kamen drei Stunden später im sonnigen (25°C) Balve am Bahnhof an.
Nachdem wir die letzten sechs Kilometer zur Pension selbstverständlich zu Fuß (es ging natürlich bergauf) und schwitzend geschafft hatten, bezogen wir unsere Zimmer und erkundeten sogleich die nähere Umgebung.
Am nächsten Tag ging es nach einem "Einkauf" endlich los.
Das Hönnetal wurde von uns in den nächsten Tagen ausgiebig durchwandert und erkundet. Höhlen haben wir natürlich auch gefunden. Aber bevor es ein paar Bilder gibt, zunächst erstmal etwas zur

Entstehungsgeschichte der Höhlen im Hönnetal und im ganzen Sauerland:
Im Naturschutzgebiet "Hönnetal" gibt es 23 Höhlen, die allesamt im Massenkalk des Mitteldevons liegen.
Genauer gesagt: In der Devon-Zeit (vor circa 250 Millionen Jahren) breitete sich im Sauerland ein Meer mitsamt seiner Tierwelt, bestehend aus Korallen, Schnecken, Fischen usw. aus. Im flacheren Wasser bildeten sich Korallenriffe. Das Meer zog sich irgendwann im Laufe der Erdgeschichte wieder zurück, und die Reste der Tierwelt versteinerte langsam. Im Laufe der Jahrmillionen wurde sie zu dem heutigen Kalkstein, dem so genannten Massenkalk, gepresst.
Durch Erdverschiebungen hob sich der nun verfestigte Meeresboden zu einem Gebirge empor. Dabei wurde das Gestein zu Schollen zerbrochen und von Rissen und Spalten durchzogen, an denen die oberflächige Verwitterung (Erosion) ansetzen konnte. Durch Abtragung, Auswaschung und weitere Spaltenbildung wurde der Kalkstein zunehmend verformt (Karstbildung) und im Wechsel von kurzzeitigen Meeresüberflutungen und Bodenverschiebungen entstand die sauerländische Gebirgsregion, wie wir sie heute kennen.
Den "letzten Schliff" erhielt das Hönnetal während der letzten Eiszeit, dem Pleistozän, vor circa 800.000 Jahren.
Im Wechsel zwischen Kaltzeiten, Zwischeneiszeiten und Warmzeiten schmolzen immer wieder Gletscher und verwandelten sich in gewaltige Wasserströme.
Die Risse und Felsspalten wurden durch das hindurchfließende Wasser ausgewaschen, bis sie sich zu den heutigen Hohlräumen und Höhlen, die wir auf unserer Exkursion fanden, entwickelt hatten.
Die bekanntesten von ihnen sind die Balver Höhle und die Reckenhöhle (nur Hönnetal).
Nachdem der Wasserspiegel so weit gesunken war, dass die Höhlen trocken wurden, begannen an den Decken und Wänden der Höhlen langsam Tropfsteine zu wachsen. Das durch den Kalkstein sickernde Regenwasser wird von den auf ihm wachsenden Pflanzen mit Kohlensäure angereichert und kommt, oft erst nach Wochen, an der Höhlendecke an.
Dort, wo der Wassertropfen hängen bleibt, verdunstet etwas Wasser und die Kohlensäure kann eine Verbindung mit dem aufgelösten Kalk eingehen. Dieses nennt man auch Sinter oder Tropfstein.
Es bilden sich somit langsam die hängenden Tropfsteine, die Stalaktiten.
Das herabtropfende Wasser wiederholt das Ganze auf dem Höhlenboden, so dass sich dort Kalksäulen (Stalagmiten) bilden, die der Decke entgegenwachsen - das machen sie mit einem wahnsinnigen Tempo von 1mm pro 15 Jahre.
Des weiteren sind auch noch Gardinen und andere Kalksinterbildungen in den bizarrsten Formen an den Wänden der Höhlen zu finden. Diese werden durch das an den Wänden herablaufende Wasser geformt.
Irgendwann werden die Höhlen im Sauerland, anderswo natürlich auch, komplett mit Tropfstein ausgekleidet sein... wenn nicht irgendwelche Deppen die Dinger immer abbrechen würden, um sie als Souvenir mitnehmen zu müssen!

So viel zur Entstehungsgeschichte.

Wir wollen Euch nun eine Auswahl der 23 bekannten Höhlen (es gibt sicherlich noch eine Vielzahl unentdeckter Höhlen im Sauerland) zeigen, die wir im Hönnetal zwischen Balve und Menden besichtigt und erkundet haben.
Es sind einige interessante Entdeckungen dabei und zusätzlich gibt es noch einige Schnappschüsse von Dingen, die wir Euch nicht vorenthalten können...

Viel Spaß dabei...


Euer 7Grad-Team


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Quellen:
- Die Höhlen des Rheinischen Schiefergebirges und ihre Entstehung - H.W. Holz
- Die Entwicklung des Hönnetals - F. Meinecke
- Die Höhlen des Sauerlandes - W. Sönnecken

 

Hoennetal