Beustschacht Bockraden

Am BeustschachtDer ehemalige Beustschacht steht in Ibbenbüren Bockraden auf dem Ostfeld. Im Ostfeld wird heute noch gefördert. Im Juni 1841 wurde der Beustschacht im südlichen Teil von Ibbenbüren Bockraden im Beisein des damaligen Oberberghauptmannes “Graf von Beust” angehauen. Nach ihm wurde der Schacht auch benannt. Der Beustschacht lag günstig für die Erfassung der dort befindlichen Flöze, wie zum Beispiel dem Glücksburger Flöz. Der Beustschacht erhielt zwei Förderschächte und einen Fuhrschacht, doch schon im ersten Jahr mussten die Abteufarbeiten wegen zu starkem Wasserzufluss unterbrochen werden.
Es wurde deshalb ein Bohrloch bis auf die nächste vorhandene Stollensohle (
Buchholzer Stollensohle) gestoßen, so dass das Wasser abfließen konnte. Das Abteufen konnte nun fortgesetzt werden. Anfang 1843 erreichte man die Bockradener Stollensohle. Bei 36 Meter Teufe kam man zum Durchschlag. Zur gleichen Zeit wurde auch das Schachtgebäude aus Ibbenbürener Sandstein erbaut:

Beustschacht - Ehemaliges Zechengebäude

Rechter Flügel:
- Steigerstube
- Materialienkammer
- Kommissionszimmer
- Kaue für die Bergleute

Linker Flügel:
- Stube für die Fuhrleute
- Schmiede
- Werkstatt

 

 

 

Beustschacht - Ehemaliges ZechengebäudeNordflügel:
- Zwei Dampfkessel
- Maschine und Getriebe für den Schacht
- Pferdestall.

Das Sandsteingebäude wurde von der Firma Türhaus aus Münster gebaut. Der mächtige, vierkantige Schornstein (35 Meter hoch), der erst aus Ziegeln errichtet wurde, war zunächst nicht wetterfest und musste nach einem Abriss erneut, diesmal aber aus Bruchsteinen, erbaut werden.
Zentral über dem Eingang an der südlichen Giebelfront des Schachtgebäudes hing früher die Schichtglocke, die den Schichtwechsel der Kumpels anläutete.
Nach nur vier Jahren hatte der Beustschacht die größte Fördermenge von Steinkohle (53.310t) in Ibbenbüren erreicht. Er übertrumpfte damit die beiden ebenfalls in Betrieb befindlichen Schächte “Morgenstern” und “Luise”.
Weitere 45 Meter tiefer traf man auf den Alexanderflöz. Von hier wurde ein Stollen in südliche Richtung getrieben.
Es erfolgte weiterhin ein Querschlag zum “Karlschacht” und zum “Dickenberger Tiefenstollen”.
Die Förderung nahm nun stetig zu und erreichte im Jahr 1854 eine Menge von über 132.000t.
In den Jahren zwischen 1851 und 1858 wurde der Beustschacht um weitere 82 Meter abgeteuft.
Das Wasser wurde anfangs durch Handpumpen, später durch dampfbetriebene Saugpumpen zum Dickenberger Tiefenstollen geleitet. Der Dickenberger Tiefenstollen fungierte als Wasserlösestollen und leitete die Sole in die Steinfurter Aa. Der Dickenberger Stollen kommt selbst heute noch, mehr als 100 Jahre später, dieser Funktion nach.

Ab 1860 lieferte der Beustschacht die Kohle für den Eigenbedarf bei den Abteufarbeiten des Oeyenhausenschachtes, der heute noch in Betrieb ist. Nachdem der Oeyenhausenschacht sich selber versorgen konnte, wurde der Beustschacht 1870 stillgelegt.

Heute ist das Schachtgebäude an der Straße “Am Beustschacht” in Ibbenbüren Bockraden ein Wohnhaus und kann von außen jederzeit besichtigt werden.

Beustschacht - Ehemaliges Zechengebäude

Eismann - 14. Februar 2004

Beustschacht