Der Püsselbürener Förderstollen Altbergbau in Ibbenbüren

An einem der wenigen trockenen Tage im Juni dieses Jahres fuhr ich, wie so oft schon, mit der Bahn von Münster über Rheine (Ja, ich habe die Rundbunker gesehen) nach Ibbenbüren. Ich wollte gegen Abend bei meiner Familie eintreffen, fuhr aber schon vormittags los, um (wie fast jedes Mal) noch vorher eine Exkursion in Sachen Altbergbau und 7Grad zu unternehmen.
Schon im Zug überlegte ich mir, den Püsselbürener Förderstollen zu (be)suchen und stieg deswegen schon in Ibbenbüren-Püsselbüren (Esch) aus dem Zug aus.
Das Gelände, auf dem sich der Förderstollen befinden musste war mir schon bekannt, so dass ich die Lage auf circa 2 km² eingrenzen konnte. Ich lief also los und erreichte das besagte Gelände, welches sich am Südhang des Wiehengebirges befand schon nach einigen Minuten. Doch ganz so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte war es doch nicht, denn das gesamte Gelände war von einer drei bis vier Meter hohen Mauer umzogen. “Warum nur?” fragte ich mich und lief weiter. (Den Grund erfuhr ich dann bei den Recherchen zu Hause, doch dazu später mehr.)

Bitte beim Pförtner meldenNachdem ich einige Zeit an der Mauer entlang gegangen war, entdeckte ich endlich ein Tor zum Gelände. Neben dem Tor war ein Pförtnerhäuschen. Die Scheiben waren eingeschmissen und die Schränke mitsamt Inhalt lagen auf dem Boden herum.

 

 

 

 

 


 

Tor zum Altbergbau in IbbenbürenIch ging weiter um das Gelände herum und fand kurze Zeit später zwei weitere Eingänge auf das Gelände und entschied mich für das offenstehende Tor. Ein kleiner Trampelpfad führte mich auf das Gelände.

 

 

 

 

 

 

 

Schuppen auf dem gelände in Püsselbüren
Waschkaue

Doch schon nach wenigen Metern endete der Pfad an einigen alten und verlassenen Schuppen. Danach musste ich mich durch das Dickicht kämpfen - vorbei an einer alten Waschkaue - immer am Hang entlang.

TascheUnterwegs fand ich noch diese alte Tasche - Wer die hier wohl vergessen hat?

 

 

 

 

 

 

 

Wie dem auch sei! Jedenfalls war hier alles dermaßen zugewachsen, da hier schon seit vielen Jahren keiner mehr lang gelaufen war. Das erklärt auch meinen diesjährigen Zecken-Rekord bis jetzt. Ganze sieben Stück von den Blutsaugern habe ich abends beim Duschen an diversen Stellen entdeckt. Und das, obwohl ich zwischendurch die Biester immer wieder mal von meiner Hose gesammelt hatte...
Aber Egal! Ich pirschte weiter und nach etwa einer halben Stunde sagte mir mein geschultes Auge, dass ich mich direkt über dem Stollenmundloch befinden musste. Der Taleinschnitt, oder besser gesagt die Schlucht mit relativ jungem Baumbewuchs, verriet es mir: Da ist er!!
Der Püsselbürener Förderstollen:

Stollenmundloch
Geräteraum

FlugschlitzIn drei Sprüngen stand ich vor dem Stollen und schaute mich um.
Der Püsselbürener Förderstollen ist vermauert. Auch durch den kleinen Raum an der linken Seite kommt man nicht hinein. Das Loch oben in der Mauer ist nur mit einer Trittleiter zu erreichen. Es dient wohl als Flugschlitz für Fledermäuse.
Einerseits schade, aber da ich eh nur mein kleines”Gezähe” in Form einer Mag-Lite und einer Stirnlampe dabei habe, entschließe ich mich, mich noch ein wenig auf dem Gelände umzuschauen, bevor ich mich wieder auf den Weg mache...

 

 

 

Haldenplatz mit KaueAlleine hätte ich den Stollen sowieso nicht erkundet.
Maße des Stollens:   Höhe - 2,51 Meter (96 Zoll)
                                   Breite - 2,62 Meter (100 Zoll)

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte des ehemaligen Püsselbürener Förderstollens:
Um die Steinkohlen des Ibbenbürener Westfeldes besser der Eisenbahn zuführen zu können, wurde der Püsselbürener Förderstollen 1856 in Angriff genommen. Er wurde Richtung Norden zur so genannten “Bentingsbank”, einem Steinkohleflöz unter dem Pommer- Esche- Schacht in Bockraden, getrieben. Am 2 März 1860 kam der Stollen zum Durchschlag bei 1136 Meter Länge. Der Förderstollen wurde söhlig aufgefahren, dass heißt, dass er waagerecht in das Wiehengebirge auf der Höhe der Abbausohle Bentingsbank getrieben wurde. Die Höhe beim Durchbruch stimmte genau, allerdings war eine seitliche Abweichung von etwa fünf Meter zur Tiefbausohle entstanden, welche aber durch eine Kurve wieder ausgeglichen wurde. Die Verladeeinrichtungen wurden ebenfalls 1860 erbaut, so dass der Püsselbürener Förderstollen am 3. November 1862 seinen Betrieb aufnehmen konnte. Der Stollen war eingleisig ausgebaut - nur an den Enden gab es zwei Gleise für den Rangierbetrieb. Etwa 100 Meter vom Stollenmundloch entfernt stand die Dampfbetriebene Fördermaschine. Die Kohlen wurden mittels Kohlenwipper (eine Lorenart ) per Seilförderung durch den Stollen gezogen. Das Vorderseil lief auf Rollen zwischen den Schienen, während das Hinterseil über Leitrollen unter der Firste (Stollendecke) lief. Der Rangierbetrieb der Loren zwischen Stollenmundloch und Kippstelle wurde mit Hilfe von Pferden bewältigt. Einige Jahre später wurde der Püsselbürener Förderstollen weiter bis zum Buchholzflöz unter dem Rudolfschacht voran getrieben. Die Stollenlänge betrug nun 2143 Meter, aber die Fördermaschine war am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angekommen und reichte für diese Entfernung bei weitem nicht mehr aus. Aus diesem Grunde wurde eine neue Fördermaschine mit doppelter Leistung gebaut. Diese Zwillingsmaschine erhielt außerdem noch im August 1870 zwei neue Dampfkessel von der Firma Heyde aus Dortmund- Hörde. Am 2. September ging nun diese verstärkte Förderanlage in Betrieb. Ein weiterer Vorteil dieser Maschine war der jetzt gleichmäßig laufende Gang der Kohlenwipper - es ruckelte nicht mehr so.
Der Stollenbetrieb lief nun reibungslos bis zum 1. April 1879. An diesem Tage, an dem der Pommer-Esche-Schacht stillgelegt wurde, war vorerst Ende...

...lange Jahre ruhte der Betrieb rund um den Förderstollen in Püsselbüren. Die Fördermaschine und die Dampfkessel wurden im Jahre 1893 demontiert und verkauft. Als dann jedoch am 19. Juli 1894 der Oeynhausen-Schacht auf dem Ostfeld in Ibbenbüren einen starken Wassereinbruch erlitt und ersoff, erinnerte man sich wieder an den Püsselbürener Stollen. Der Rudolfschacht wurde 1896 nun bis auf die Stollensohle des Förderstollens abgeteuft, so dass der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Die Förderung der Ibbenbürener Steinkohle erfolgte nun mühselig per Hand oder Pferd.
Dies geschah so lange, bis der Von-Oeynhausen-Schacht auf dem Schafberg im Jahre 1898 seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte. Da die Schäden der Zeche Oeynhausen wieder beseitigt waren, kam folglich der Betrieb im Püsselbürener Förderstollen abermals zum erliegen...

...erneut gingen Jahre ins Land.
Doch alle guten Dinge sind drei, oder wie heißt es so schön?
Die Firma A+K Sommerkamp hatte eine Ockerbrennerei erbaut und brauchte die Steinkohle um die Öfen zu heizen. Die Brennerei hatte ihren Sitz in der Nähe des Stollenmundlochs, so dass die Förderung durch den Förderstollen unerwartet 1911 wieder auflebte. Zunächst noch sehr schwach, aber der Förderbetrieb stieg stetig und erreichte im Jahre 1914 die beträchtliche Menge von 16435 Tonnen. 1924 wurde die Anlage sogar renoviert und neue Maschinen erbaut. In dem alten Gebäude neben dem Stollenmundloch wurde nun eine Mannschaftskaue errichtet. Zur gleichen Zeit wurde auch der Stollen noch erweitert bzw. verlängert.
Zum Einen wurde ein Querschlag nach Westen zum Bernhard-Schacht vorgetrieben, welcher nach 488 Metern erreicht wurde, zum Anderen wurde der Stollen um weitere 1020 Meter zum so genannten Gegenortsschacht, ebenfalls auf dem Flöz Buchholz, verlängert.
Ab dem Jahre 1935 wurde der Stollen mit Benzol,- und Dieselloks befahren; ab den 50er Jahren wurden  Fahrdrahtloks mit Oberleitung genutzt. Die Kohlenförderung durch den Püsselbürener Förderstollen erfolgte noch bis zum Jahre 1979, in dem das Westfeld stillgelegt wurde...
Der letzte Kohlenzug verließ am 29.6.1979 den Förderstollen.

Schienen der Schmalspurbahn
mauer um das Haldengelände in Püsselbüren

Nochmal zur Mauer:
Um die vielen Kohlendiebstähle, die sich gerade wegen der einsamen Lage der Anlage häuften, vorzubeugen, wurde der Haldenplatz mit dieser hohen Mauer am Anfang der 1930er Jahre umzogen.

(c) Eismann Juli 2004

Quellen (außer Fotos):
Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau
Röhrs & Rickelmann
Verlag: Schöningh, Paderborn
ISBN: 3-506-77224-4

Der Ibbenbürener Bergbau
Hans Röhrs
Verlag: IVD Ibbenbüren
ISBN: 3-921290-94-5

 

 

 

 

 

 

Foerderstollen