Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer

Zeche Minister Achenbach in Lünen-BrambauerNur wenig Altbergbau-Relikte zeugen von der langjährigen Bergbaugeschichte der Stadt Lünen an der Lippe. Auch in Lünen wurde, wie fast überall im Ruhrrevier, Steinkohle aus großer Teufe im Schachtbauverfahren gefördert. Die größte und wohl auch bedeutendste Zeche in Lünen war die Zeche Minister Achenbach, deren Geschichte wir hier nun vorstellen wollen:
Die Zeche Minister Achenbach entstand im Jahr 1896 aus der bergrechtlichen Vereinigung der beiden Bergwerke Achenbach und Friede. Diese gab es seit dem Jahr 1870, sie hatten eine Feldesgröße von rund 20 km².
Der erste Förderschacht der neuen Zeche Achenbach wurde 1897 abgeteuft und nahm 1900 die Förderung der Kohlen auf. Der Schacht trug den Namen "Heinrichschacht". Er wurde nach dem damaligen preußischen Handelsminister Heinrich von Achenbach benannt.
Fast zeitgleich wurde im Jahre 1899 ein Wetterschacht geteuft um das Bergwerk mit Frischluft zu versorgen. Neben den schon existierenden Schachtgebäuden wurde auch eine Kokerei errichtet, welche im Jahre 1902 ihren Betrieb aufnahm. Die Kohlenförderung betrug 1904 schon beachtliche 346.000 Tonnen pro Jahr.
Zeche Minister Achenbach in Lünen-BrambauerFünf Jahre später wurde mit dem Abteufen von Schacht 3 begonnen. Nach der Fertigstellung betrug die jährliche Fördermenge nun
913.000 Tonnen Steinkohle. Das Bergwerk Minister Achenbach hatte zu der Zeit rund 2.660 Beschäftigte. Zwischen den Jahren 1918 und 1924 wurde ein weiterer Schacht, der Schacht 4 abgeteuft. Auf der Zeche arbeiteten im Jahre 1925 schon 4.390 Kumpels, die eine Jahresförderung von
1.240.000 Tonnen Steinkohle zu Tage brachten. Die höchste Förderung vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise hatte die Zeche im Jahre 1929 zu verzeichnen. Sie betrug rund
1.700.000 Tonnen des Schwarzen Goldes bei etwa 4.610 Beschäftigten. Doch das Bergwerk Achenbach musste bis dahin auch einige Schicksalsschläge in Form von untertägigen Explosionen erleiden:
Die erste Schlagwetterexplosion ereignete sich im Jahre 1912 und forderte 49 Todesopfer. Zwei Jahre später war erneut eine Schlagwetterexplosion schuld, dass der Betrieb vorübergehend eingestellt werden musste. Bei diesem Unglück starben 24 Bergmänner. Die dritte Schlagwetterexplosion ereignete sich im Jahre 1917 im Schacht 3, hier fanden 17 Bergleute den Tod.
Zeche Minister Achenbach in Lünen-BrambauerIn den folgenden Jahren wurde ein neues Kesselhaus erbaut (1941) und ein weiterer Schacht abgeteuft (Schacht 5, 1942-1948). Dieser nahm nach überwundenen Schwierigkeiten wie dem Zweiten Weltkrieg und einem enormen Wassereinbruch im Jahre 1954 den Betrieb auf. Nach zweijähriger Bauzeit wurde 1958 noch ein weiterer Schacht (Schacht 6) der Zeche Minister Achenbach in Betrieb genommen. Zusätzlich wurde ebenfalls ein neuer Wetterschacht niedergebracht, welcher 1959 die zusätzliche Wetterführung des mittlerweile 41,5 km² großen Grubenfeldes übernahm. Die Zeche hatte nun 6045 Beschäftigte und eine Fördermenge von 1.690.000 Tonnen. 1973 wurden die Schächte Ickern 3 und 4 übernommen, so dass das Bergwerk nun eine Berechtsame von gut 52 km² vorweisen konnte. Mit rund 4.700 Beschäftigten förderte die Zeche in Lünen in den darauf folgenden Jahren zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Tonnen Steinkohle aus der Erde. Die höchste Förderung verzeichnete die Zeche im Jahre 1982. Sie betrug 2.750.000 Tonnen Steinkohle im Jahr.
Die Förderung sank bis 1991 auf 1.9 Millionen Tonnen, ehe das Bergwerk Minister Achenbach im Jahre 1992 ihren Betrieb einstellen musste...

Die Hauptfördersohlen hatten/haben eine Teufe von 820, 860 und 1.000 Metern. Die Zeche Achenbach in Lünen besaß neun Schächte:
- Achenbach 1 (westliche Förderung, Seilfahrt und Bergeförderung)
- Schacht 2 (Gefäßförderung und Seilfahrt)
- Schacht 3 (Wetterschacht, Gestellförderung und Befahrung)
- Schacht 4 (Materialschacht und Seilfahrt)
- Schacht 5 (Gestellförderung, Seilfahrt und Materialschacht)
- Schacht 6 (Wetterschacht, Seilfahrt und Gestellförderung)
- Schacht 7 (Hauptwetterschacht)
- Ickern 3 (Materialförderung, Bergeförderung und Gestellförderung)
- Ickern 4 (Wetterschacht und Befahrung)

Zeche Minister Achenbach in Lünen-BrambauerZeche Minister Achenbach heute:
In dem Stadtteil Brambauer findet man noch einige Relikte der Zeche Achenbach. Am bekanntesten ist wohl das so genannte "Colani-Ei", welches schon von weitem aus zu erspähen ist, wenn man durch Lünen fährt oder läuft. Der Designer Luigi Colani setzte im Jahre 1995 auf das noch erhaltene Strebengerüst der Bauart Klönne einen ellipsenförmigen Kunststoffkörper. Das Colani-Ei befindet sich auf dem ehemaligen Schacht 4 der Steinkohlenzeche in Lünen.
Ebenfalls erhalten sind auch die Maschinenhallen, die Schachthalle von Schacht 4 und das Gebäude der Werkstatt der Zeche. Auch die sich in unmittelbarer Nähe befindliche Bergbausiedlung "alte Kolonie" der Zeche Minister Achenbach aus dem Jahre 1900 ist noch vorhanden.
Die anderen Gebäude und die Stahlkastenstreben der Fördertürme wurden leider abgerissen. Viele der einstigen Grubengelände sind heute nicht mehr als solche zu erkennen. Sie wurden eingeebnet und neue Siedlungen und Industriegebiete entstanden. Auch die meisten Schächte wurden verfüllt...

 

Design und Internet: Georg und Ollrich
Fotografie: Dreesi und Georg
Bericht: Ollrich
Quelle:
Die alten Zechen an der Ruhr
W. u. G. Hermann
ISBN:
3-7845-6992-7

 

 

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