Grube Günnersdorf - Bergbaumuseum Mechernich
Bleierz-Bergbau in Mechernich

Besucherbergwerk "Grube Günnersdorf"

Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichDer aufmerksame Betrachter unserer Seite wird jetzt bestimmt denken:
Hää, die Grube Günnersdorf ist doch schon seit einigen Jahren auf der Homepage präsent, oder?
Jau, dem kann ich nur zustimmen. Aber:
Damals wurde das Besucherbergwerk nur am Rande einer von Georg und Christian durchgeführten Westwallexkursion besucht. Nun aber war ich auch einmal persönlich da und konnte die sehr interessante Führung live miterleben. Und da das Thema "Altbergbau" nun mal eines meiner bevorzugten Gebiete bei "7Grad" ist, wollte ich nun auch einen ausführlicherern Bericht abliefern. Außerdem finde ich, das die Grube Günnersdorf auch eine detailliertere "Berichterstattung" verdient hat, zumal die Betreiber in unzähligen Arbeitsstunden ehrenamtlich die ehemalige Grube von Schlamm befreit und zu einem Besucherbergwerk umfunktioniert haben.
Okay, hier also der neue Bericht, die Geschichte des Bleierzbergbaus in Mechernich.
Viel Spaß beim lesen...

Geschichte:
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf Mechernich
Die bedeutendste Bleierzlagerstätte Deutschlands befindet sich am Nordrand der Eifel zwischen den Städten Mechernich im Nordosten und Kall im Südwesten. Die Lagerstätte besteht aus einem etwa elf Kilometer langen und ein bis zwei Kilometer breiten Streifen, welcher sich in einer geologischen Formation des Buntsandsteins der Nordeifel liegt. Man rechnet damit, daß das Bleierz-Vorkommen noch heutzutage etwa 100 Millionen Tonnen stark ist.
Diese gewaltige Menge entspricht etwa fünf Prozent des Weltvorrates. Das Bleierz liegt in einer etwa dreißig Meter mächtigen, mürben, schneeweißen Sandsteinschicht und in begleitenden Konglomeraten. Die nach Norden einfallenden Buntsandsteinschichten liegen diskordant zueinander auf gefalteten devonischen Schichten. Örtlich gesellen sich auch Zinkerze zu den meist übereinander liegenden Bleierz-Flözen.
Nur in dem Hauptbuntsandstein sind die Vererzungen zu finden. Auf diesen, überwiegend aus runden Sandkörnern bestehenden, Sandsteinschichten mit einem großen Porenvolumen von fast 40%, trafen die erzbringenden Lösungen, welche die Poren ausfüllten.
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichDer nutzbare Metallgehalt der  erzführenden Sandsteinbänke liegt bei etwa zwei Prozent. Das Hangende über den Flözen, bestehend aus rotem Sandstein ist erzfrei. Das ganze, zu einer großen Flexurzone gehörige Gebiet ist tektonisch ungemein beansprucht, stark gestört und zerbrochen. Oft sind, örtlich begrenzt, Sandsteinpartien und Konglomerate von zahlreichen Klüften, Harnischen, Fiederspalten, steilen Verwerfungen mit Rutschstreifen und Blattverschiebungen durchzogen.
Die Bleierze (Galenit und Cerussit) kommen überwiegend in knottenform vor. Knotten nennt man die etwa 1-5 Millimeter großen, runden Bleiglanzkörner, welche oft aus einem Kristallindividuum, das sich widerum aus mehreren verkitteten Quarzkörnern zusammensetzt, bestehen.
Die Herkunft der Metallerze ist im Untergrund, dem Devon zu suchen.
Dort wurden die Metalle durch aufsteigende heiße salinare Wasser mobilisiert und in die Buntsandsteinschichten transportiert. In der Eifel sind noch heute eine Menge älterer devonischer Quarzgänge, sogenannte epigenetische  sekundärhydrothermalische Erzlagerstätten, Bleiglanz oder Zinkblende führend, bekannt.

Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichDer Erzbergbau in Mechernich lohnte sich nur im großen Stil, da die Lagerstätte nur ein sehr geringes Vorkommen von Blei (Chemisches Zeichen: Pb von Plumbum) in den Erzadern aufwies. Der Bleianteil lag bei etwa einem Prozent im Roherz.
Der Bergbau in Mechernich schaut auf eine sehr lange Geschichte zurück. Das erste mal erwähnt wurde der Erzbergbau in einer Urkunde aus dem Jahre 1394. Doch schon die Römer hatten vorher in der Region nach den Metallen geschürft. Nach einem Fund von keltischen Münzen in einem Schacht, geht man heute davon aus, daß auch die Kelten schon in der Region zwischen Kall und Mechernich Bergbau betrieben hatten.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts begann man intensiver mit dem Bergbau im Mechernicher Bleiberg. Der Grund dafür war, daß der sogenannte Beutelkorb, ein zwar einfaches, aber effektives Aufbereitungsgerät, erfunden wurde. Der Beutelkorb ist ein ovales Handsieb, bestehend aus einem soliden Holzgestell mit Bügelgriff. In dem 45 Zentimeter langen und 30 Zentimeter breiten Holzgestell war ein etwa 20 Zentimeter tiefes Sieb, auch Korb genannt, befestigt. Der Korb bestand aus einem dichtem Geflecht aus Messingdraht oder Weidenruten gefertigt, in dem das Haufwerk gesiebt wurde. Der Beutelkorb funktionierte ähnlich wie in der Goldwäsche: In dem Sieb blieben die gröberen Bestandteile wie Bleierzknotten zurück, während der Sand durch die Maschen hindurch rieselte. Der Beutelkorb wurde noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet. 
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichIn der Folgezeit, zwischen den Jahren 1470 und 1530 weitete sich der Begbau am Bleiberg stark aus. Eigenlöhner teuften wenige Meter tiefe Reifenschächte bis auf die Lagerstätten und schlugen den vererzten Knottensandstein aus dem Gebirge. Das Gezähe der Bergmänner bestand zu der Zeit aus dem Berghammer und dem Wolf. Der Wolf war ein flacher Eisenkeil mit einer Breite von acht Zentimetern. Seine Länge betrug etwa 25 Zentimeter. Die Erzscheide geschah direkt vor Ort. Nachdem der Ausbruch zerkleinert war, wurde er in dem Beutelkorb gesiebt und gewaschen, bevor die Knotten mittels Haspel zu Tage gefördert wurden. Zu dieser Zeit war der Erzbergbau in Mechernich sehr unübersichtlich und unreguliert. Wegen der völligen Bergfreiheit teufte jeder seinen Schacht, wo er gerade wollte, baute so lange er konnte die Erze ab und zahlte dem Landesherren ein Zehntel von seinem Umsatz.
Um diesen fast anarchistischen Bergbau einhalt zu gebieten, wurden im Jahre 1578 strenge Bergordnungen von den Landesherren herausgegeben. Von nun ab wurden Grubenfelder verliehen. Diese Felder waren sehr klein, denn jeder Einzelne erhielt höchstens sechs Felder in runder oder quadratischer Form. Diese Felder hatten ein Seitenlänge von 1,7 Meter, oder bei den Runden, ein Durchmesser von 2,5 Metern. Die Bergordnung beinhaltete auch eine Bergaufsicht, welche die Sicherheitsvorschriften und die Maßnahmen gegen den Raubbau beaufsichtigte.
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichDer Bergbau kam gegen Ende des 16. Jahunderts fast zum erliegen. Viele Eigenlöhner gaben ihre Schächte auf, da der Wasserzufluss mit zunehmender Teufe immer stärker wurde. Für einen dringend benötigten Wasserlösestollen fehlte ihnen das Kapital. Erst im Jahre 1930 wurde der erste Wasserlösestollen vom Ufer des Bleibachs aus angefahren. Ein Jahr zuvor hatten drei Großkaufleute (Dietmar Rath, Bartholomäus Brüggen und Johann Meinertzhagen) beim Bergmeister in Kommern die Berechtigung zum Stollenbau beantragt. Da sie auf eigenes Risiko und auf eigene Kosten arbeiten wollten, wurde der Antrag auch genehmigt. Der Stollen wurde unter Leitung erfahrer Bergleute von Roggendorf aus in südliche Richtung durch das Gebirge getrieben. Er traf schon bald gute, abbauwürdige Erze an. Nach einer Bauzeit von zwanzig Jahren hatte der Stollen seine Gesamtlänge von 1.750 Metern erreicht.
Ein zweiter Stollen wurde im Jahre 1690 aufgefahren. Dieser wurde ebenfalls von Bleibach aus in den Berg getrieben. Nur lag das Stollenmundloch etwa 17 Meter tiefer. Durch diesen Stollen konnten weitere Lagerstätten erschlossen werden. Der Nachteil bei diesem Stollenbau war der Durchschlag durch sehr schlechte Gebirgsverhältnisse, daß zur Folge hatte, daß der Stollen auf einer Länge von 1.000 Metern mit Türstock ausgebaut werden musste, welches wiederum hohe Unterhaltskosten zur Folge hatte.
Daher wurde im Jahre 1756 ein dritter Wasserlösestollen, der Elisabeth-Stollen, in Angriff genommen. Auch der Elisabeth-Stollen tritt am Bleibach in Roggendorf zu Tage.
Er hat eine Länge von 2.700 Metern.
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichDer Bleierzbergbau in Mechernich wuchs stetig, so daß im Jahre 1807 ein weiterer Stollen aufgefahren wurde. Dieser wurde vom Veybachtal aus in Richtung Bleiberg vorgetrieben. Er verläuft unter den Tagebauen hindurch und erreichte im Jahre 1857 mit einer beachtlichen Länge von 5.284 Metern den Virginia-Schacht im Bleiberg.
Er wurde noch weiter voran getrieben, so daß er im Jahre 1870 mit dem Schafberg-Schacht (siehe
Malakow-Turm auf dem Schafberg) durchschlägig wurde. Der Stollen hatte den Namen "Burgfeyer Stollen" und mit einer Länge von 7.450 Metern war er zum wichtigsten Wasserlösestollen der Gruben im Bleiberg geworden. In dieser Zeit, genauer gesagt zwischen den Jahren 1860 und 1910 wurde die Stadt Mechernich weltberühmt, da sie sich zu einem führenden Unternehmen in der Montanindustrie hochgearbeitet hatte. Im März 1884 lag die Hackenleistung pro Mann und Schicht bei gut zehn Tonnen Fördergut. Die Belegschaft der Gruben lag bei 4.470 Mitarbeitern.
Infolge der für den Metallerzbergbau allgemein schwierigen Lage in den zwanziger Jahren wurde die Grube Günnersdorf ab dem Jahre 1828 vor allem aus sozialpolitischen Gründen vom Staat subventioniert. Die Subvention im Förderprämienverfahren erfolgte im Jahre 1934. Doch die gezahlten Beträge reichten nicht aus. Vor allem nicht für die dringend notwendige Modernisierung der Grube, die eine zwingende Voraussetzung für eine wesentliche Steigerung der Produktion und Senkung der Selbstkosten war.
Für das Wohlergehen der Mechernicher Bleigruben war auch die Abhängigkeit der Bleipreise im Weltmarkt sowie die Nachfrage mitverantwortlich.
Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichAuf Veranlassung des Reichswirtschaftsministeriums übernahm der Konzern Preussag am 01.01.1937 die Bleierzbergwerke in Mechernich. Eine kurze darauffolgende Abbauphase wurde durch den Krieg unterbrochen. Ein Stromausfall hatte zur Folge, daß die Gruben ersoffen. Im Oktober 1947 begann man mit dem Wiederaufbau und der Sümpfung der Bergwerksanlagen. Diese Arbeiten waren im Jahre 1953 abgeschlossen.
Im März 1951 behinderten zwei schwere Erdbeben den Wiederaufbau, wobei der zentrale Wasserlösestollen, der Burgfeyer-Stollen zu Bruch ging und die Gruben erneut absoffen. Binnen acht Tagen wurde im Virginia-Schacht eine neue Wasserhaltungsmaschine errichtet.
Im Zweiten Weltkrieg diente die obere Sohle der Grube Günnersdorf der Mechernicher Bevölkerung als bombensichere Luftschutzanlage. In den Grubenbauten lebten zeitweise bis zu 5.000 Personen. In dem Luftschutzstollen gab es zu der Zeit ein Krankenhaus mit Operationssaal, verschiedene Ärzte und eine Verwaltung.
Einige Jahre wurde nun weiter das Bleierz abgebaut. Man verlagerte die Aktivitäten vom erschöpften Ostfeld auf das noch unverritzte Westfeld. Doch zu einem großangelegtem Abbau kam es nicht mehr. Der Weltpreis für Blei sank so extrem, daß sich der Abbau in Mechernich nicht mehr lohnte. Ab dem Frühjahr 1957 sank der Bleipreis gegenüber 1956 um vierzig Prozent. Die Gewerkschaft der Mechernicher Bergwerke beschloss daher im Herbst 1957 den gesamten Bergwerksbetrieb im Bleiberg zu Jahresende einzustellen...

Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichEinen Besuch der Grube Günnersdorf kann ich nur empfehlen. Jeder Montan-Interessierte kommt bei der wirklich sehr gut gemachten Führung auf seine Kosten. Falls ihr mal in der Gegend seid, oder einen Tagesausflug (Für uns "Bergbau-Fans" hat sich auch die 300 Kilometer lange Anreise von Ibbenbüren nach Mechernich vollkommen gelohnt) in die Nordeifel plant, dann stattet dem Besucherbergwerk doch mal einen Besuch ab.
Wir waren schon am Vortag, leider viel zu spät, da und haben unser Interesse an der unterirdischen Welt von Mechernich bekundet. Wir durften am Folgetag eine der besten Führungen überhaupt durch eines der schönsten Stollensysteme miterleben. Während der Untertage-Befahrung erfährt man jede Menge Fachwissen rund um den Bleierzbergbau in Mechernich. Die fast zweistündige Befahrung ist sowas von kurzweilig, daß ich zeitweise nicht mal mehr zum Fotografieren kam. Auch das kleine, aber feine Bergbaumuseum hatte uns beeindruckt. Wir hätten nur etwas mehr Zeit gebraucht, um alles genauer zu betrachten...

Bergbaumuseum Grube Günnersdorf MechernichAnfahrt und Öffnungszeiten:
Die Abfahrt "Mechernich/Bad Münstereifel" befindet sich an der A1 zwischen Köln und Trier. Nach der Abfahrt der B477 in Richtung Mechernich folgen. In Mechernich in dem zweiten Kreisverkehr links abbiegen. Nach etwa 300 Metern befindet sich das Besucherbergwerk auf der rechten Seite der Bleibergstrasse.
Das Besucherbergwerk Mechernich ist geöffnet von Dienstag bis Samstag zwischen 14.00 und 16.00 Uhr. Am Sonntag zwischen 11.00 und 16.00 Uhr und am Montag ist Ruhetag. Sonderführungen gibt es an allen Tagen (auch am Montag) nach vorheriger Vereinbarung. Festes Schuhwerk und warme Kleidung ist erforderlich (kein muß aber praktisch) - Helme werden gestellt. Viel Spass!
Adresse:
Bergbaumuseum Mechernich e.V.
Bleibergstraße 6
53894 Mechernich
Tel.: 02443-48697
Fax: 02443-8204

Danke und "Glückauf" an A. Schink und F. Hunsicker

(c) Eismann/D7GT, August 2006

Bergbaumuseum Grube Günnersdorf Mechernich

 

 

 

 

 

 

 

Grube Günnersdorf