U-Verlagerung "Eisenkies" - Projekt "Schwalbe 1"

U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Wir waren mal wieder im Land der Tausend Berge, im Sauerland unterwegs um die Reste vom Geheimprojekt "Schwalbe 1" zu erkunden. Bei der U-Verlagerung "Schwalbe 1" handelte es sich um ein unterirdisches Hydrierwerk, dass im Rahmen des so genannten Geilenberg-Progammes noch in der Endphase des Zweiten Weltkrieges erbaut wurde. Da es sich um ein Vorhaben zur Mineralölsicherung handelte, wurde ein Stollensystem in passender Größe für die riesigen Einbauten  angelegt. Dieses Stollensystem hatte wie alle Stollen-Neubauten einen Decknamen aus der Mineralogie und erhielt den Decknamen "Eisenkies". In dem nun folgenden Bericht wird die versteckte Anlage im Lennegebirge genauer vorgestellt und beleuchtet...

Der Mineralölsicherungsplan im Zweiten Weltkrieg - Das Geilenberg-Programm:
Ab April des Jahres 1944 flogen die alliierten Bomberkommandos immer häufiger Ziele der Mineralölindustrie des Deutschen Reichs an und bombardierten diese verstärkt. Mit fatalen Folgen. Viele der bis dahin noch überirdisch liegenden Fabriken wie Raffinerien, Hydrierwerke, Dehydrierwerke und andere Rüstungswerke wurden schwer getroffen oder zerstört. Nach einem Treffer explodierte und brannte das Treibstoffwerk meist vollständig aus, so dass eine Reparatur unmöglich war. Um Diesem entgegenzuwirken, beschloss man die wichtigen Rüstungsfabriken unter die Erde zu verlagern. Während andere unterirdische Rüstungswerke bereits im Bau und teilweise schon fertig waren oder schon in der Produktion standen (z.B.:
U-Verlagerung "Rebhuhn"), wurde am
1. August 1944 der so genannte Mineralöl-Sicherungsplan, auch Geilenberg-Programm genannt, ins Leben gerufen. Ziel des Geilenberg-Programms war es zu verhindern, dass die komplette Mineralölindustrie im U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Deutschen Reich zum erliegen kam. Da die Einfuhr von Rohstoffen aus dem Ausland kriegsbedingt ausfiel, war die Deckung des deutschen Treibstoffbedarfs nur noch durch Inlandserzeugung aus heimischen Rohstoffen gewährleistet.  Die Treibstoffherstellung war eine der Grundvoraussetzungen um die Kriegsmaschinerie aufrecht zu erhalten. Deshalb sollten die Fabriken der Mineralölindustrie ebenfalls, wie andere Rüstungswerke auch, in unterirdische Räume verlagert werden. Doch die vorhandenen Stollen der Bergwerke und die Reichsbahntunnel waren viel zu klein für die großen Anlagen der Mineralölfabriken. Die riesigen Maschinen, wie fast 20 Meter hohe Reaktionskammern und Tanks, brauchten viel Platz und natürlich mehr Überdeckung als zum Beispiel die Produktion von Flugzeugteilen, Kugellagern und Motoren. Deshalb mussten zur bombensicheren untertägigen Verlagerung der Treibstoffindustrie extra für die jeweilige Firma und das jeweilige Programm ein eigens konzipiertes Stollensystem neu erschaffen werden. Eine Autarkie im Mineralölsektor war also nur noch durch Hydrierung von einheimischer Kohle möglich.
Benannt wurde der Mineralöl-Sicherungsplan nach Edmund Geilenberg, der im Juni 1944 zum “Generalkommissar für Sofortmaßnahmen beim Reichsministerium für Rüstungs- und Kriegsproduktion” ernannt wurde. Seine Aufgabe bestand darin, die zerstörten Hydrierwerke (H-Werke) zu reparieren und diese mit Bunkern oder Ähnlichem zu schützen. Da es nicht so einfach war, eine Ölraffinerie mit einem Bunker zu überbauen, entschloss Edmund Geilenberg, die Fabriken unterirdisch zu verlagern. Der Bunker hätte übrigens gigantische Ausmaße gehabt:  Ein U-Boot-Bunker würde wohl sehr mickrig gegen ein verbunkertes Hydrierwerk wirken. Im Rahmen des Geilenberg-Progammes sollten eine Vielzahl von verschiedensten U-Verlagerungen und Projekte zur U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Brennstoffherstellung entstehen. Neben dem “Projekt Schwalbe" gab es noch andere unterirdische Geheimprojekte: In den Anlagen mit dem Decknamen  "Dachs" versteckten sich Raffinerien, die zur Aufbereitung von Erdölrückständen zu Schmierölen dienten. Die bekannteste U-Verlagerung vom Typ "Dachs" befindet sich in der Nähe von Minden im Wesergebirge. Kleindestillationsanlagen hatten den Tarnnamen "Rost" und "Ofen" (eine Ofen-Anlage war neben der
U-Verlagerung “Zeolith” geplant) und lagen versteckt in Steinbrüchen, in Schluchten, in stillgelegten Fabriken und auch in kleineren Stollen im ganzen Land. Eine Katalytische Krackanlage und eine Dehydrieranlage auf Wasserstoffbasis waren im Mittelwerk bei Nordhausen geplant. Diese hatten den Decknamen "Meise" und "Kuckuck". Desweiteren gab es noch die Projekte "Wüste", "Taube" und "Krebs", wovon die beiden letzten auch hier im Sauerland beziehungsweise im Bergischen Land errichtet wurden. Von fast all diesen Projekten gab es mehrere Anlagen, welche alle noch einen eigenen Decknamen erhielten. Von der Anlage "Schwalbe" wurden acht Stück gebaut, beziehungsweise geplant. Drei davon in Nordrhein-Westfalen, wovon die Anlage "Schwalbe 4" ganz in der Nähe des hier vorgestellten Objektes lag. Die U-Verlagerung "Schwalbe 4" hatte übrigens den Decknamen "Asbest". Doch kommen wir nun zu den Einzelheiten der Untertage-Verlagerung “Schwalbe 1”:

Das unterirdische Geheimprojekt "Schwalbe 1" im Sauerland - Deckname “Eisenkies”:
U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1
Um ein Vorhaben mit den Ausmaßen wie das geplante H-Werk Schwalbe realisieren zu können, müssen eine große Anzahl von Grundvoraussetzungen gegeben sein. Der Verwaltungsapparat hatte mit vielen Problemen zu kämpfen. Ein geeigneter Standort für die unterirdische Fabrik sollte gefunden werden. Die Baustelle sollte nicht aus der Luft zu entdecken sein. Ein großes Problem war, auch gegen Ende des Krieges, eine große Anzahl von Arbeitern für das Projekt zu finden. Ganz zu schweigen von der absoluten Geheimhaltung, unter welcher das H-Werk wie alle anderen U-Verlagerungen auch lag. Niemand sollte etwas von dem Bau mitbekommen. Doch eins nach dem anderen.
Von den knapp 160 möglichen Standorten für unterirdische Hydrierwerke im Reichsgebiet war der jetzige Standort einer der Optimalsten. Die eigens von der OT-Einsatzgruppe "Hansa" angeforderten Gutachter, bestehend aus Bergbautechnikern und Geologen aus dem Reichsamt für Bodenforschung, erkundeten die verschiedensten Plätze in den Mittelgebirgen. Stimmten die Grundvoraussetzungen, wurden die Gutachten der Organisation Todt (OT) vorgelegt, die dann die weiteren Arbeits- und Planungsschritte in die Wege leitete. So auch bei der Anlage Schwalbe 1: Ausgangspunkt für den Stollenvortrieb war der Kalksteinbruch "Emil 1". Dieser lag versteckt in einem Tal zwischen steil aufragenden Bergen im Lennegebirge. Die Überdeckung von dem auf viele 100.000 m² erweiterbarem Stollenneubau bestand aus 60 bis 120 Meter starkem Felsmassiv. Das Deckgebirge hier besteht aus massigem Muschelkalk, der wiederum von festen Kalkspatklüften durchzogen wird. Die Gesteinsverhältnisse erlaubten so Hohlräume mit einer Breite von 15 Metern und einer Höhe von bis zu 30 Metern, ohne dU-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1ass ein Stollenausbau in Form von Betonauskleidung oder Stempeln nötig war. Die von der Bau-OT vorgeschriebene Überdeckung gegen 1000 Kg Bomben von mindestens 30 Metern für 20-30 Meter hohe Stollen und Räume war also gegeben. Die Wasserverhältnisse waren günstig, da dass Gebirge recht trocken war. Mit Wassereinbrüchen, wie in anderen Untertage-Baustellen war also nicht zu rechnen. Brauchwasser konnte aus dem in unmittelbarer Nähe befindlichem Fluss im Tal entnommen werden. Abwasser konnte in den selben Fluss geleitet werden. Ein Starkstromanschluss mit Trafostation befand sich bereits in dem Kalkwerk "Emil 1", direkt vor den zukünftigen Stollenmundlöchern. Auch ein Gleisanschluss war bedingt durch die Kalkindustrie schon vorhanden. Sogar ein Maschinenpark mit Baugeräten und ein Munitionsbunker für Sprengmittel gab es bereits.  Baumaterial konnte von den in der Nähe befindlichen Sägewerken und Ziegeleien im Sauerland bezogen werden. Der beim Stollenvortrieb anfallende Abraum konnte direkt in dem Steinbruch gelagert werden, ohne dass eine Veränderung der Landschaft sichtbar wurde. (siehe auch:
U-Verlagerung "Zeolith" bei Ibbenbüren)
Nach all diesen günstigen Vorraussetzungen wurde der Steinbruch "Emil 1" nun kriegswichtiger Großproduktionspunkt.
Nachdem der Standort nun ermittelt war, beriet man über die technischen Daten der Anlage "Schwalbe 1". Geplant wurde von der Mineralölbaugesellschaft eine kombinierte Hydrier-Dehydrieranlage mit J2-Kraftstoffanlage auf Steinkohlenteer-Basis. Eine einfache Hydrieranlage reichte für eine Produktion von Flugzeugtreibstoff nicht aus. Da in der Untertage-Verlagerung "Schwalbe 1" Treibstoff für den Düsenjäger Me 262 hergestellt werden sollte, wählte man ein Dehydrierverfahren (DhD-Verfahren), um die U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1benötigte hohe Oktanzahl des Treibstoffs zu erlangen.
Der Deckname der U-Anlage "Schwalbe 1" wurde wie bei allen neu zu errichtenden Stollensystemen aus der Gesteinskunde gewählt. Er lautet "Eisenkies". (Eisenkies = Pyrit. Nicht zu verwechseln mit der U-Verlagerung "Pyrit" bei Hagen, ganz hier in der Nähe)
Bauherr der Anlage war die Firma Rhein-Braun-Union Wesseling. Die Baudurchführung wurde von der OT-Einsatzgruppe Hansa aus Essen geleitet. Diese benötigte zur Realisation für den Stollenneubau rund 10.000 Arbeiter, die zum größten Teil aus Zwangsarbeiter bestand.
Die für den Stollenvortrieb eingesetzten Arbeitskräfte wurden mit der Reichsbahn herantransportiert. Sie stammten aus Arbeitslagern, Zuchthäusern und Sammelunterkünften. In einem Steinbruch in der Nähe des
Bahnhofs Balve-Sanssouci errichtete man ein neues Aussenlager für die Zwangsarbeiter.  Die Belegschaft des Lagers bestand aus Russen, Polen, französischen und italienischen Kriegsgefangenen sowie Zuchthäuslern und "wehrunwürdigen" Deutschen wie straffällig gewordene Wehrmachtssoldaten. Der Lagerleiter war ein berüchtigter SS-Sturmscharführer, der schon als Leiter im Arbeitserziehungslager Hunswinkel für seine Unmenschlichkeit bekannt war. Das Wachkommando bestand aus 25 Schutzpolizisten, die Lagerverwaltung aus 10 Gestapo-Männern. Das Lager war auf zwei Seiten mit einer hohen Steilkante, und ansonsten mittels Stacheldraht gegen Fluchtversuche gesichert. Neben den unmenschlichen Bedingungen wie Prügel, Dreck und Enge gab es kaum etwas zu Essen. Wie auch im Außenlager A1 im Teutoburger Wald waren die Essens-Rationen sehr gering. Morgens soll es 75 Gramm Brot mit Teewasser, mittags einen halben Liter Kaffee-Ersatz und am Abend einen Teller warmes Wasser mit Steckrübenschnitzeln gegeben haben. Viele der Zwangsarbeiter litten an Hungerödemen. Hungersnot und Entkräftungen waren die vorrangigen Todesursachen. Wie viele Häftlinge in dem Lager starben ist leider nicht nachweisbar. Manch einer fiel der Brutalität seiner Bewacher zum Opfer. Zeugenaussagen belegen aus dem Lager Sanssouci mindestens drei Hinrichtungen am Galgen. Urkundlich erwähnt sind "nur" 24 tote russische Häftlinge, wovon die meisten an "Herzmuskellähmung" starben.

U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Schon zwei Wochen nach Beschluss des Geilenberg-Programms begann man gegen Ende August 1944 mit dem Stollenvortrieb. Die Mineralöl-Baugesellschaft m.b.H. forderte am 11.10.1944 für die Umsetzung des Bauvorhabens 500.000 Reichsmark von der Deutschen Revisions- und Treuhand-Aktiengesellschaft. Diese überwies das Geld zwei Tage später auf ein Sonderkonto.
Die schweren Arbeiten wurden in reiner Handarbeit von den Zwangsarbeitern durchgeführt. Diese wurden mit einem Zug vom Aussenlager Sanssouci zur Baustelle im Steinbruch Emil gebracht. Gearbeitet wurde auch an dieser Unterirdischen Rüstungsanlage Tag und Nacht im Schichtbetrieb. Für die Bergmännische Arbeit und Berechnungen beim Stollenbau hatte man Kumpels aus dem Steinkohlerevier Saarland eingesetzt. Die Arbeiten im Steinbruch fanden Monatelang im Geheimen statt. So gut wie niemand wusste von der gigantischen Baustelle im Sauerland. Auch den alliierten Luftaufklärern blieb das Projekt "Schwalbe 1" verborgen.
Geschützt werden sollte das unterirdische Rüstungswerk durch einen Flakgürtel rund um den Steinbruch. Eine der ehemaligen Flakstellungen kann man heute noch erkennen. Das H-Werk war sogar so wichtig, dass die Luftwaffe zur Abwehr der Anlage eigesetzt wurde. Des weiteren wurde über eine vollständige Einnebelung der Anlage durch Nebeltruppen der Kriegsmarine nachgedacht. Sogar eine Scheinanlage sollte im nur wenige Kilometer entfernten Tagebau (Steinbruch “Emil 2”) gegenüber errichtet werden. Die Produktionsmenge der Geheimanlage "Schwalbe 1" sollte 240.000 Tonnen J2-Treibstoff im Hydrier-Verfahren und 50.000 Tonnen Flugzeugtreibstoff im Dehhydrier-Verfahren im Jahr betragen. Das H-Werk sollte in zwei Bauabschnitten in den Berg getrieben werden, so dass die erste Anlage schon die Produktion anfahren kann, während die Zweite noch erbaut wurde. Als Bauzeit wurde mit etwa 10 Monaten gerechnet. Der Stollenvortrieb sollte etwa 6 Monate dauern. Für die Montagearbeiten der Inneneinrichtungen wurden ebenfalls sechs Monate veranschlagt. Die zehnmonatige Bauzeit kommt durch die Überschneidung der beiden Baustufen von zwei Monaten zustande. In einem weiteren dritten abgetrenntem Stollensystem sollte das Kraftwerk der Hydrierwerke untergebracht werden. Auch dieses Stollensystem ist im Rohbau-Zustand noch vorhanden. Weitere Umbaumaßnahmen im Umfeld der Untertage-Verlagerung "Eisenkies" bestanden aus folgenden Vorhaben:
U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Die Steinkohlenversorgung sollte durch eine Pipeline zwischen dem Bergwerk Monopol in Unna und der Anlage Schwalbe gesichert werden. Die Steinkohle sollte in Form von Schlamm in das H-Werk gepumpt werden.
Mit der Energieversorgung wurde die Firma RWE beauftragt, welche eine 100.000 Volt-Leitung von Menden her ausgehend verlegen sollte.
Von der Ruhr aus wurde eine 100 Zentimeter starke Rohrleitung zur Wasserversorgung bis hin zum Steinbruch Emil 1 verlegt. Die Betonreste der Wasserentnahmestation bei Fröndenberg sowie Teile der Rohre sind noch vorhanden.
Dass die U-Verlagerung "Eisenkies" nicht mehr fertiggestellt werden konnte, lag nur an dem raschen Vorstoß der alliierten Streitkräfte.
Noch am 8. April 1945 wurde in einem der Stollen eine Reparaturwerkstatt für Panzerfahrzeuge eingerichtet, bevor die Bauarbeiten des Projektes "Eisenkies" am 15. April 1945 mit Einzug der Amerikaner ein Ende fanden...

Die Synthetische Treibstoffherstellung:
Auch das hochwertige Flugzeugbenzin bestand, wie alle Mineralöle, aus den Hauptbestandteilen Wasserstoff und Kohlenstoff. Ziel der Hydrierwerke war es, die Elemente Wasserstoff und Kohlenstoff aus den vorhandenen Rohstoffen Wasser und Kohle zu entnehmen, und sie in der gleichen Art und Weise und in dem bestimmten Mengenverhältnis wieder zusammenzusetzen, wie es beim Mineralöl der Fall ist.
U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1In einer zwanzigjährigen Entwicklungsphase wurde von der Firma Farben I.G. aus Oppau ein Hochdruck-Hydrier-Verfahren entwickelt, welches in der U-Verlagerung "Eisenkies" zum Einsatz kommen sollte. Der durch Schwelung gewonnene Teer wurde, nachdem er von seinen festen Verunreinigungen befreit wurde, in eine Destillationsanlage gegeben. Der Teer konnte aus Steinkohle sowie aus Braunkohle gewonnen werden. In der Destillationsanlage wurden dann die im dem Teer enthaltenen Benzinmengen abdestilliert. Der auf etwa 450 Grad Celsius erhitzte benzinfreie Teer wurde mittels Pumpen in riesige Reaktionskammern gedrückt. Dieses geschah unter 300 bis 700 Atmosphären Druck. In besonderen Generatoren, den so genannten Winkler-Generatoren, wurde Wasserdampf zersetzt um Wasserstoff freizusetzen.  Von Schwefelverbindungen gereinigt, auf den erforderlichen Druck komprimiert, wird der Wasserstoff nun ebenfalls nach Aufheizung in die Reaktionskammern gedrückt. Hier verbindet sich der Teer mit dem Wasserstoff zu Benzin und anderen Mineralölen. Dieses Hydrier-Verfahren war das meistbenutzte System zur synthetischen Benzingewinnung.
Doch für die Düsenjäger von Hitlers Armee brauchte man den leistungsstärksten Kraftstoff mit der höchsten Oktanzahl. Dieses Hochleistungsbenzin ermöglichte eine größere Reichweite, eine gesteigerte Flughöhe und ein erhöhte Geschwindigkeit der Bomber.

Die U-Verlagerung "Eisenkies" - Befahrung und Relikte:
Obwohl die U-Verlagerung "Eisenkies" nicht fertiggestellt wurde und einige Stollenstrecken dem noch bis 1966 andauernden Steinbruchbetrieb zum Opfer fielen, befindet sich heute noch ein imposantes Stollensystem im Berg. Besonders beeindruckend sind die Ausmaße der Stollen. Teilweise befindet sich die Stollenfirste in 10-20 Metern Höhe. Einer der Stollen wurde nach dem Krieg noch als untertägige Verladeanlage gebraucht. Die RWK (Rheinisch-Westfälische-Kalkindustrie, Wuppertal-Dornap) erbaute in dem so genannten Rolloch-Stollen eine Brechanlage und nutzte Ihn als Förderstollen für den abgebauten Kalkstein. Sie ersparte sich so den Weg von der zweiten in die erste Sohle des Steinbruchs. Die Untertageverlagerung "Eisenkies" besteht heute aus mehreren voneinander abgetrennten Stollensystemen sowie zahlreichen Einzel- und Blindstollen. Die Stollenmundlöcher sind fast alle verschüttet und sehr schwer im steilen Gelände zu finden. Einige Stollenportale sind fest verschlossen und durch andere führt nur ein enger Schluf ins Innere des Berges. Die gesamte Stollenstrecke, die noch zu befahren ist, hat eine Länge von etwa 6-7 Kilometer.  In einem abgetrennten Stollensystem sind die Schächte für die Treibstofftanks schon nach oben seiger in den Fels getrieben worden. In einem anderen Paralell-Stollen sollte das Kraftwerk der Hydrieranlage untergebracht werden. Auch hier sind schon die Sockel und Leitungen verlegt worden. Durch eine enge Rohrleitung gelangt man von dem unterirdischem Kraftwerk in das Hauptsystem. Überall in der Anlage "Schwalbe 1" sind Reste der ehemaligen Schmalspurbahn, wie Bahnschwellen und Gestänge vorhanden. Desweiteren findet man allerhand Metallschrott in Form von Resten von Einbauten, Wetterhaltungsmaschinen, Kabel, Öfen, Fahrten, Bohrgestängen und Schrauben. Auch eine Lore und sehr viele, 50 Zentimeter starke Wetterlutten wurden von uns entdeckt.
U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1Ein Teil der Stollen im Sauerland ist in einem sehr gutem Zustand, er sieht aus wie frisch gefegt. Andere Strecken sind nicht über das Sprengstadium hinausgekommen, so dass der Ausbruch noch im Stollen herum liegt und man über große Schuttberge klettern muss, um den Stollen zu befahren. Wir fanden eine Vielzahl von Blindstollen, welche von den Hauptstollen abzweigten und im Nichts endeten. Einige davon waren sehr gut unter Schuttmassen versteckt. Die Untertage-Anlage ist heutzutage sehr feucht und man muss an einigen Stellen mindestens mit nassen Füßen rechnen. Einer der zwei Hauptstollen ist mit Schotter verfüllt. Der Schotter wurde von oben durch einen Schacht in den Stollen geschüttet. Dieser Stollen ist auch nur mit einer Seilschaft zu befahren, da man nach dem Schotterberg vor einer Steilkante unterhalb der Firste steht, und der eigentliche Stollen etwa 5 Meter tiefer weiter in den Berg führt.
Irgendwann war auch gut mit klettern, und wir machten uns auf den Weg zurück. Kennt jemand auch das Untertage-Phänomen: Ich schaue auf meine Uhr, und es ist gerade mal Mittag. Danach schaue ich erneut, geschätzt zwei Stunden später, auf meine Uhr und muss mit entsetzen feststellen, dass es bereits 19.30 Uhr ist. Und wir müssen den ganzen Weg wieder zurück...
Abschließend kann man sagen, dass die U-Verlagerung Schwalbe 1 vom Sicherheitsaspekt aus gesehen einige Risiken birgt. Das Deckgebirge hält, aber die vielen Spalten und Risse in den Schuttbergen sind gefährlich. Aber von der bergbautechnischen und der geschichtlichen Seite aus betrachtet ist diese einer der beeindruckendsten Anlagen, die wir bis jetzt befahren haben.
Erfreulich fanden wir auch die Tatsache, dass wir bis auf einige Spuren von Speläologen und Mineraliensuchern keinerlei Müll in den Stollen fanden. So soll es auch bleiben...

 

Kleingedrucktes:
Fotos, Recherche und Bericht:
Prinz Eisen-Erz

[Quellen:]
Stollen im Fels und Öl für`s Reich
Kai Olaf Arzinger
Mönnig Verlag
ISBN:
3-922885-70-5

Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des zweiten Weltkrieges
Hans Walter Wichert
Verlag: Druckerei Joh. Schulte, Marsberg
ISBN:
3-9803271-4-0

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Dank und Gruß an:
Bunker-Paule, Burn, Flatti und Horstine...

Empfohlene Soundtracks zum Bericht:
Die Kassierer: Sauerlandlied
Zoff: Sauerland

 

 

 

 

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