U-Verlagerung "Ör"

U-Verlagerung Ör - JettenhöhleDieser Bericht stellt eine kleine Premiere dar, da er von der ersten U-Verlagerung in einer Naturhöhle handelt, der den Weg auf unsere Seite findet.
Zwar kennen wir die U-Verlagerung "Krone" in der Balverhöhle schon seit etwa drei Jahren, aber irgendwie schaffen wir es nicht, mal einen Termin für eine ausgedehnte Fototour durch die Höhle in Balve zu finden. Zumal ich allein schon dieses Jahr bestimmt zehn mal in Balve und Umgebung war; aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein Andermal erzählt werden....
Wir wollen uns nun wieder dem Thema "Ör" widmen.
Im Zuge einer ausgedehnten U-Verlagerung-Erkundungstour im Harz erreichten wir auch das Örtchen Osterode. Rund um Osterode gab es drei Untertage-Verlagerungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. (U-Verlagerung "Diabas", U-Verlagerung "
Basalt" und die hier vorgestellte U-Verlagerung "Ör")
U-Verlagerung Ör - JettenhöhleWir parkten auf einem Wanderparkplatz, und während die Anderen noch mit der Zubereitung von Kaffee, Tee und Eintopf beschäftigt waren, unternahmen Marcel und ich am frühen Morgen eine kleine Vortour zur Jettenhöhle. Wir wollten sie nur finden, und nach dem Essen mit den Anderen und unserem Gezähe wiederkommen.
Das haben wir auch getan:
Die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Ör" war in der Jettenhöhle bei Osterode im Harz untergebracht. Die Jettenhöhle stellt eine Gipshöhle dar, die zusammen mit der Marthahöhle und einigen kleineren, nicht näher bezeichneten Höhlensystemen im Naturschutzgebiet Hainholz liegt.
Die Jettenhöhle besteht aus einem Hauptgang und mehreren Nebenhöhlen. Der Hauptgang hat eine Länge von etwa 600 Metern und die Deckenhöhe beträgt bis zu neun Metern. In der Höhle befinden sich einige Seen.
U-Verlagerung Ör - JettenhöhleBei unserer Befahrung fiel uns folgendes auf:
Fast die gesamte Höhlenstrecke machte einen gesprengten Eindruck. Wir kletterten über viele Verbrüche und gewaltige Gesteinsberge.
Doch die Jettenhöhle wurde nicht im Zuge der Demontagewelle nach dem Einbau von Rüstungswerken von Alliierten gesprengt, wie wir zu Anfang vermuteten. Doch dazu später mehr.
Wir suchte nach Anzeichen von Umbauarbeiten zu unterirdischen Rüstungsbetrieben. Doch nicht einmal Betonreste oder Ähnliches war zu entdecken. Und da die Höhle leicht geneigt in den Berg führte, müßte man schon Reste von einer betonierten Sohle finden um eine Produktionsstätte zu entlarven. Aber nichts.

U-Verlagerung Ör - JettenhöhleNaja, die Anlage steckte eher noch in der Planungsphase, als das man von einer zum Rüstungswerk umgebauten Naturhöhle sprechen könnte. Die einzigen Zeugen bergbaulicher Art waren einige Metallhaken für Stromleitungen an der Wand und einem Schacht mit etwa 50 Zentimetern Durchmesser, der senkrecht nach Übertage führte. Dabei handelte es sich um eine Wetteraufhaue, die die Bewetterung der Höhle gewährleisten sollte. Von Unten konnte man in einiger Entfernung das Tageslicht sehen. Unter dem Schacht lagen eine Vielzahl von Baumstämmen und Stöckern rum, die wohl in den Schacht gefallen waren, oder spielende Kinder haben das Geäst in den Schacht geworfen.
Unter dem Schacht, zwischen den Hölzern, entdeckten wir einige Feuersalamander. Unter anderem auch den größten Feuersalamander, den ich je gesehen habe. (Siehe Foto - Im Vergleich: Georgs Hand)
Ein weiterer kleinerer Schacht befand sich in Nähe des Höhlenmundlochs, versteckt in einem Schluf. Dieser war betoniert und mit Holz ausgekleidet. Er führte in ein weiteres Höhlensystem in der Jettenhöhle, welches allerdings fast vollständig unter Wasser stand.
Gesperrt für die unterirdische Rüstungsproduktion wurde die Jettenhöhle am 22 Dezember 1944. Nach U-Verlagerung Ör - Jettenhöhleden erforderlichen Umbauarbeiten sollte die Firma Rinkel GmbH aus Göttingen Feinmechanische Rüstungsgeräte herstellen. Die Verfügbare Fläche war mit 2.500 qm angegeben. Doch zu einer Produktion ist es nicht mehr gekommen.
Um noch einmal auf die "gesprengte" Höhlenstrecke zurück zu kommen:
Die Versturzblöcke in der Jettenhöhle stammen aus dem "reifen" Gewölbe, welches sich bei zu groß werdenen Höhlen bildet. Wenn die durch Wasserfluss geschaffenen Hohlräume zu groß werden, hält das Hangende, die über dem Hohlraum befindliche Gebirgsschicht, nicht mehr den Druck aus, so dass die Decke hereinbricht. Der Speläologe nennt dieses Versturz.  Dieses geschieht so oft, bis ein neues, tragendes Gewölbe entstanden ist. Die Chance, das die Jettenhöhle oder auch andere Höhlen genau zu der Zeit zusammenstürzt, während man sie befährt, ist verschwindend gering. Eher gewinnt man zehn mal in Folge im Lotto, oder wird von einer tiefgefrorenen Kuh erschlagen. Trotzdem sollte man immer vorsichtig sein und nicht ohne das erforderliche Gezähe (Helm usw.) einen untertägigen Raum erforschen.
Gut Schluf...

 

Text und Fotos: Olly Eismann
Bearbeitung/Web: Georg
(c) D7GT, Sommer 2006

Auf Harzer Rolle: Björn, Erik, Georg, Marcel, Olly, Philipp (und Gäste)

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