U-Verlagerung “Spatz”

Teilanlage des Projekts Rebstock

U-Verlagerung SpatzDie U-Verlagerung "Spatz" lag im Ahrtal in der Eifel. Sie war in einem von fünf Reichsbahntunneln in der Nähe von Ahrweiler untergebracht. Alle fünf Tunnel bildeten zusammen das Projekt "Rebstock". Nicht jeder der Tunnel hatte einen eigenen Decknamen aus der Vogelwelt. Ein weiterer Reichsbahntunnel hatte den Tarnnamen "Fasan" während der Rüstungsproduktion, und die restlichen drei Tunnel bekamen den Decknamen "Stefan", wobei sie einfach durchnummeriert wurden.
Die Untertageanlage "Spatz" war also eine Teilanlage des Projektes "Rebstock". Verantwortlich für die Einrichtung von Rüstungswerken in Eisenbahntunneln in der Pfälzischen Eifel war das Rüstungskommando Koblenz. Die Konstruktionsnummer der Anlage war Nr. 293, was auf einen schnellen Umbau schließen lässt. Ebenso wie die
U-Verlagerung Rebhuhn war das Lager Rebstock und somit die U-Verlagerung "Spatz" ein A-Projekt in der Rüstungsindustrie. Das heißt im Klartext: Die Anlage wurde  in den bereits vorhandenen Hohlräumen der Reichsbahntunnel zur Endmontage errichtet. In den U-Verlagerungen Spatz, Fasan und Stefan 1-3 wurden Feuerleitpanzer, Fernraketenanhänger (Meillerwagen), Anhänger mit Abschußplattform, Stromversorgungswagen und Kabeltrommelanhänger montiert.
All diese Fahrzeuge dienten als mobile Abschussbasis für V1 und V2 Raketen.
Die in Rebstock produzierende Firma hieß Gollnow & Sohn. Der Betrieb beschäftigte 800 Wehrmachtsangehörige, die die etwa 7000 italienischen und russischen Kriegsgefangenen, welche die U-Verlagerung Spatzeigentlichen Arbeiten leisteten, beaufsichtigten und einwiesen.
Von der Gesamtproduktionsfläche von 31600m² der U-Verlagerung "Rebstock" nahm die Teilanlage "Spatz" nur eine Fläche von rund 3200m² ein. Der Reichsbahntunnel hatte eine Länge von nur 366 Metern. Die Bombensicherheit war mit einer Überdeckung von bis zu 200 Metern, bestehend aus Grauwacke-Felsen mehr als gewährleistet.

Bevor der Tunnel zur untertägigen Rüstungsanlage umgebaut wurde, diente er als eine klimagünstige Stelle zur Edelpilzzucht. In den Jahren 1936 bis Ende 1943 wurden in ihm Champignons angebaut.

Als die amerikanischen Truppen die Tunnel bei Ahrweiler Anfang März 1945 erreichten, waren diese von den Rüstungsfirmen bereits geräumt worden. Da das Ahrtal in der direkten Einflugschneise zur Brücke von Remagen lag und ständig bombardiert wurde, nutzte die Zivilbevölkerung die Reichsbahntunnel nun als bombensichere Luftschutzanlage. Mehrere tausend Menschen retteten sich und zogen in die Tunnel ab Weihnachten 1944 ein um eine bombensichere Zufluchtsstätte zu haben.

U-Verlagerung Spatz - heute Dienststelle MarienthalNach dem Zweiten Weltkrieg standen die Tunnel fast 15 Jahre ungenutzt in der schönen Eifel herum. Zwischen den Jahren 1960 bis 1972, in Zeiten des kalten Krieges, wurden alle fünf Tunnel zu einem Atombunker umgebaut. Die damals noch in Bonn sitzende Regierung ließ die ehemaligen Reichsbahntunnel zum so genannten “Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundes” (AdVB) umbauen - Deckname: “Dienststelle Marienthal”.
Der Regierungsbunker bekam zahlreiche neue Stollen, Geheimgänge, Notausgänge und unterirdische Verbindungsgänge zwischen den Hauptsystemen. Das Stollensystem hat eine Länge von rund 19 Kilometern, eine unterirdische Fläche von knapp 60.000m² und besitzt an die 1.000 Büroräume.
Die Bauherren arbeiteten unter strengster Geheimhaltung und hofften, dass das 100 Meter mächtige Schiefergestein über der Bunkeranlage einem nuklearen Angriff standhalten würde...

Seit dem Jahre 2001 wird der Regierungsbunker zurückgebaut. Nachdem unsere Regierung nach Berlin gezogen ist, soll die Anlage in einen Zustand versetzt werden, von dem keinerlei Gefahrenpotiental für Mensch und Umwelt ausgehen kann - Das bedeutet Abriss!

Exkursion: Bianca und Christian
Fotos: Christian
Web: Georg
Recherche und Text: Olly


Quelle:
Das Lager Rebstock
Wolfgang Gückelhorn
Verlag: Helios, Aachen
ISBN:
3-933608-54-6

(c) D7GT 2005

 

 

Spatz