Die Maas-Rur-Steilhang-Elmpter-Wald-Stellung

(Steuben-Volker-Schenkendorf-Stellung)

 Profil - Bauwerke - Geschichte
Eine Bestandsaufnahme
von Martin Seltmann,
Mönchengladbach
im März 2006

Ein Hinweis vorab:
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastartikel, den uns Martin Seltman freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Alle Urheberrechte liegen somit bei ihm!
Wir bedanken uns sehr herzlich, dass wir diese Ausarbeitung auf unserer Seite  zeigen dürfen. Wer Ergänzungen oder sonstige Hinweise zu dem Artikel oder zu den in dem Artikel genannten Objekten hat, möge sich bitte direkt an Martin Seltmann wenden, die E-Mail-Adresse kann bei
uns erfragt werden.
Nun aber genug der Vorrede...

 

1.1 Einleitung:

Nach der Landung der Alliierten am 6.Juni 1944 in der Normandie und dem erzwungenen Rückzug der deutschen Wehrmacht durch Frankreich, Belgien und die Niederlande in Richtung der deutschen Reichgrenzen im Westen befahl Hitler am 24. August 1944 den „Ausbau der Weststellungen“.  Hitler ordnete an, die alliierten Truppen um jeden Preis westlich des Rheins zurückzuwerfen und untersagte dem Oberbefehlshaber West den Aufbau von Verteidigungslinien östlich des Rheins. Ab September 1944 wurde neben der Rearmierung des 1938-41 erbauten Westwalles mit den Planungen und Ausführungen unzähliger feldmäßiger, hauptsächlich als Grabenstellungen zu bezeichnenden Linien zwischen Niederrhein und Eifel begonnen. Als bekannteste Verteidigungslinien seien Maas (Steuben-) Stellung, Rur-Stellung, Erft-Stellung und Niers- (Schlieffen-) Stellung zu nennen. Diese Linien wurden parallel zum alten Westwall als vor- bzw. rückgelagerte Stellungen in nord –südlicher Richtung erstellt. Gleichzeitig wurden diverse Riegelstellungen wie etwa Erftriegel (Rolandriegel), Kellenriegel (Kriemhildriegel), Monschau-Düren-Riegel usw. als Verbindungen zwischen den Verteidigungslinien geplant.
Im Volksmund werden bis heute alle diese Verteidigungsanlagen und ihre heute noch auffindbaren Zeugnisse in ihrer Gesamtheit als Westwall bezeichnet .

Parallel zum Ausbau der Maasstellung auf dem östlichen Maasufer über Venlo (Brückenkopf)- Tegelen- Belfeld- Beesel- Roermond (Brückenkopf)- Melick- Vlodrop- Hilfart2) wurde die hier untersuchte Maas-Rur-Steilhang-Elmpter-Wald- Stellung, im folgenden Maas-Rur-Stellung genannt, als zweite Linie vor der deutschen Grenze und dem alten Westwall ausgebaut (Karte 1).
Diese Verteidigungslinie wurde durch das Anbringen von Betonkleinstanlagen sog. Ringständen, Erdstellungen, ein System von Laufgräben und Panzergräben in einen relativ hohen Grad der Verteidigungsbereitschaft versetzt. Der Tatsache, dass die Stellung durch den weitestgehend geschützten Naturraum des Naturparks Maas-Schwalm-Nette verläuft und somit die infrastrukturelle Erschließung nach Kriegsende gering blieb, ist es zu verdanken, dass heute noch viele der Anlagen erhalten sind und bereits unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Die Maas-Rur-Stellung begann im Norden am Brückenkopf Venlo, den die Maasstellung ausbildete, verlief von dort über die Jammerdaalsche Heide, Heide südöstlich Tegelen, in Richtung der deutsch- niederländischen Grenze: Brachter Wald, Diergartscher Wald östlich Swalmen, Elmpter Wald,  Waldgebiet “De Meinweg“ östlich Herkenbosch, Effelder Wald bis zur heutigen Deponie Rosenthal. Dort, nördlich von Wassenberg- Birgelen, spaltete sie sich T-förmig auf in eine Riegelstellung südwestlich Richtung Rur bis Gut Kromland/ Schloss Elsum und nordöstlich Richtung Westwallstellung im Birgelner Wald. (Karte 1)
Einigen Quellen ist zu entnehmen, dass die Maas-Rur-Stellung bis Hückelhoven- Doveren ausgebaut wurde. 2)  Dort sind dafür aber bis heute keine erhaltenen Spuren aufzufinden.

 

Übersicht über  die ehem. Weststellungen im Naturpark Maas- Schwalm- Nette
Übersicht über die ehem. Weststellungen im Naturpark Maas- Schwalm- Nette

2.2 Geographische Gegebenheiten:

Die Stellung folgt in großen Teilen dem Verlauf des in ost-west-Richtung um etwa 5- 10 Meter abfallenden Steilhanges, der in nord-südlicher-Richtung das ausgedehnte eiszeitlich entstandene Maastal begrenzt. Dieser Hang stellt noch heute in weiten Teilen den Verlauf der Grenze dar. Er wird in seinem Verlauf durch die Täler der Schwalm und der Rur durchbrochen. Dort führt die Stellung durch offenes, ebenerdiges Gelände. Die Linie kann in weiten Teilen jedoch als Waldstellung bezeichnet werden. Als Verteidigungsgeographischer Vorteil wurde sicherlich gesehen, dass ausschließlich auf deutscher Seite die schlecht einsehbaren, unübersichtlichen, erhöhten Wälder existieren, während sich auf der vermeintlichen „Feindseite“ im Westen die gut einsehbare landwirtschaftlich genutzte Ebene des Maas- bzw. Rurtals erstreckt.
Im vorgezogenen Stellungsteil südöstlich Herkenbosch verlief die Stellung auf der  etwa 2-3 Meter erhöhten Geländestufe, die das Rurtal dort ausbildet.

2.3 Strukturen der Stellung:
2.3.1 Nördlicher Teil:

Der Nordteil der Stellung erstreckt sich östlich Venlo von der Bahnlinie Venlo-Mönchengladbach über die Jammerdaalsche Heide bis zum Wald östlich Belfeld über den Brachter Wald, den Weißen Stein, den Diergartschen Wald bis zur Schwalm.
Auf den Gebieten von Venlo und Tegelen bis um Erreichen der Grenze bei Grenzpunkt 432 sind heute nur noch wenige Zeugnisse der ehemaligen Stellung zu finden. Dort konnten bis jetzt lediglich vier Ringstände im Bereich Bovenste Molen (1), Jammerdaal (2,3) und Bahnübergang Egypte (4) festgestellt werden, sowie zwei Anlagen im Bereich „De Eekhoorn“ östlich Belfeld (5,6). Der Ringstand am Bahnübergang Egypte wies die Besonderheit auf, dass hier nur die Oberseite eines Ringstandes auf dem vorhandenen Tunnel für Feldbahnen aufgesetzt wurde. Es handelte sich also nicht direkt um einen Regelbau. Diese Konstruktion wurde im Jahre 1995 im Zuge von Gleisbauarbeiten abgerissen und der Feldbahntunnel, der einst dem Tontransport zur Maas diente, im Gleisbereich verfüllt.10) Durch den Ton- bzw. Kiesabbau in der Jammerdaalschen Heide  sowie die Bebauung im Stadtteil Tegelen-Heide gingen die allermeisten Feldstellungen in diesem Bereich verloren, sodass der genaue Verlauf der Stellung nur schwer zu rekonstruieren ist. Vermutlich wurden so auch weitere Ringstände zerstört bzw. verschüttet. Im Bereich einer ehem. Mülldeponie südlich Jammerdaal soll beispielsweise ein Ringstand verschüttet worden sein. Es ist zu vermuten, dass sich die Stellung ebenso wie in den erhaltenen Teilen an den Hang des Maastals und dessen Vorfeld anlehnte. 
Im Waldgelände östlich Belfeld und westlich der Grenze auf Höhe der Grenzpunkte 432 bis 446 sind außer den Anlagen 5 und 6 bisher keine Ringstände aufgefunden worden. Zwischen dem Grenzpunkt 432 und dem Campinggelände „de Eekhoorn“ sind auf der Oberseite des Steilhanges sowie in dem zerklüfteten und unübersichtlichen Vorgelände Reste von Laufgräben und Deckungslöchern aufzufinden. Ringstände im Vorfeld wurden jedoch nicht  aufgefunden. Der Waldabschnitt nördlich „De Eekhorn“ und Tegelen- Heide ist ein durch Erosionsrinnen geprägter Kiefernwald, ähnlich dem Elmpter Wald jedoch ohne den Einbau von Ringständen. Lediglich auf einigen beherrschenden Höhen sind noch Reste von Gräben und Deckungslöchern zu finden. Ob die Stellung hier im Vorfeld des Waldes verlief oder durch die Nähe zur Stellung am Maasufer auf einen weiteren Ausbau verzichtet wurde bleibt offen.
Der  Abschnitt südlich des Grenzpunktes 432 zeichnete sich durch einen durchgängigen Laufgraben zwischen den einzelnen Ringständen im Vorfeld aus, der in Abständen mit Querverbindungen zu rückwärtigen Erdbunkern,  Deckungslöchern und Beobachtungspunkten im Hang- bzw. Waldbereich versehen war. Die Erdstellungen im Wald waren weitestgehend ebenfalls miteinander durch Laufgräben verbunden.  In südlicher Richtung verflacht sich der Steilhang bis zum Weißen Stein. In diesem Teil ist zwischen Steilhang und Grenzverlauf der Rest eines Panzergrabens  zu finden. Er erstreckt sich ca. 1,5 km nördlich des Weißen Steins parallel der Grenze und knickt an seinen Enden zum Steilhang hin ab. Ursprünglich verlief der Graben weiter südwestlich entlang der Grenze wo sich heute ein Reiterpfad befindet über den Weißen Stein  durch den Brachter Wald. Durch Kiesabbau bzw. Wald- und Wegebau sind dort nur noch wenige Fragmente erhalten.

Panzergraben nördlich des Weißen Steins
Panzergraben nördlich des Weißen Steins

Die nördlich des Weißen Steins aufgefundenen 2 Ringstände (7,8) sind dem Steilhang etwa 50-100 Meter vorgelagert und waren durch Laufgräben verbunden. Nördlich des Grenzpunktes 431 soll sich noch ein weiterer Ringstand (8a) befunden haben, der aber heute wahrscheinlich übererdet ist. Der Ringstand am Weißen Stein selber wurde vor einigen Jahren ein Raub der dortigen Pflasterarbeiten. Einige hundert Meter südwestlich/ nordöstlich des Weißen Steins konnte ein vorgelagertes Drahthindernis parallel zur Grenze nachgewiesen werden.9)
Südwestlich des Weißen Steins finden sich jetzt noch sechs weitere Ringstände entlang der Strasse „Prinsendijk“. Diese läuft auf niederländischer Seite parallel der deutschen Grenze. Auf deutscher Seite läuft dort parallel die alte Römerstrasse Xanten- Heerlen. Bis 1985 war ein weiterer Ringstand (13) im Vorfeld erhalten.3) Etwa 3-5 Meter auf deutschem Gebiet können Reste  eines Laufgrabens parallel zum Weg aufgefunden werden. Aus britischen Stellungskarten geht hervor, dass ein durchgehender Laufgraben im Vorfeld zwischen allen Ringständen südwestlich/ nordöstlich des Weißen Steins vorhanden war.9) Die Laufgräben im freien Feld sind heute jedoch nicht mehr erhalten. Die Waldstellung läuft in diesem Bereich genau südlich des Weißen Steins durch ein mit Erhebungen und Tälern durchzogenes Gebiet. Nach etwa einem Kilometer verläuft die Stellung wieder auf der Oberkante des typischen Steilhangs parallel zum Grenzverlauf. Durch Wiederaufforstungen sind dort heute kaum noch Überreste erhalten. Etwa 4,5 Km südwestlich des Weißen Steins am Grenzpunkt 425 wendet sich abrupt der Grenzverlauf um etwa 90° in südöstlicher Richtung. Dort verlässt die Stellung vorrübergehend das deutsche Territorium und läuft genau südlich dem vorhandenen Hang folgend parallel des Waldweges, bis sie nach etwa einem Kilometer die L373 auf der Höhe des Schwimmbades „De Bosberg“ kreuzt.
In diesem Bereich sind ein durchgehender Panzergraben am Fuß des Hanges sowie ein Laufgrabensystem auf der Hanghöhe erhalten. Im Gebiet der Boschheide waren ebenfalls Laufgräben vorhanden, die jedoch nicht mehr aufgefunden wurden. Auf dem Gelände des Schwimmbades südöstlich  der Anlage 16a befindet sich ebenfalls ein Ringstand (16b), der aber heute übererdet ist. Südlich des Schwimmbades erreicht die Linie die Schwalm und geht dort in den mittleren Stellungsteil über.

Detailkarte des nördlichen Teils bis zum Weißen SteinNr. 1Nr. 2Nr. 3Nr. 4Nr. 5Nr. 6Nr. 7Nr. 8Nr. 10
Detailkarte des nördlichen Teils bis zum Weißen Stein

2.3.2 Mittlerer Teil:

Der mittlere Abschnitt der Maas-Rur-Stellung tritt nach Querung der Schwalm etwa am Grenzpunkt 415 wieder auf deutsches Gebiet über. Sie verläuft dort in südlicher Richtung mit 50– 500 Meter Abstand zur niederländischen Grenze entlang des hier zerklüfteten mit tiefen Einschnitten und Erosionsrinnen versehenen Abhanges. Etwa bei Grenzpunkt 406 verlässt die Stellung wieder deutsches Gebiet und mündet an der Bahnlinie Roermond- Dalheim in das niederländischen Naturreservat „De Meinweg“. Im gesamten Verlauf des etwa 6 Km langen Abschnitts im Elmpter Wald findet sich ein durchlaufender Panzergraben. Etwa 50 –100 Meter östlich des Panzergrabens findet sich auf der Hanghöhe ein sehr gut erhaltenes Stellungssystem mit Erdbunkern, MG-Stellungen, Deckungslöchern, und den nötigen Querverbindungen.

Gut erhaltenes Stellungssystem im nördlichen Elmpter Wald auf der Hanghöhe
Gut erhaltenes Stellungssystem im nördlichen Elmpter Wald auf der Hanghöhe

An einigen Stellen finden sich lange Querausläufer der Laufgräben hangabwärts zum Panzergraben und darüber hinaus ins offene Flachgelände. Ein paralleler Graben im Vorfeld des Panzergrabens konnte bisher nördlich und südlich der Querung B 230 aufgefunden werden. Anders als im nördlichen Stellungsteil sind hier die neun aufgefundenen Ringstände bis auf zwei Ausnahmen in die Hangstellung unmittelbar an strategisch wichtigen Punkten integriert.  Die zwei Ausnahmen befinden sich direkt am Grenzweg unmittelbar südlich des Grenzüberganges der B 230. Sie sind der eigentlichen Stellung um etwa 500 Meter vorgelagert. Von dort aus konnte die Strasse Roermond- Elmpt und das umgebende Flachland gesperrt werden.
Auf der niederländischen Seite im Naturreservat „De Meinweg“ lassen sich Feldstellungen östlich des Panzergrabens bzw. auf der nordöstlichen Seite der ehem. Bahnlinie Roermond- Dalheim in der Heide bis etwa auf Höhe des Ringstandes 24 auffinden.

Detailkarte nördlicher und mittlerer TeilNr. 17Nr. 20bNr. 23Nr. 24Nr. 10Nr. 11Nr. 12Nr. 14Nr. 15Nr. 16Nr. 16aNr. 18Nr. 20aNr. 20Nr. 21Nr. 22
Detailkarte nördlicher und mittlerer Teil

2.2.3 Südlicher Teil:

Nach dem Übergang über die Bahnlinie verläuft ein vorgezogener Teil der Stellung auf der Geländestufe die das Rurtal ausbildet zwischen Herkenbosch und Etsberg. In dieser Linie befinden sich auf engstem Raum sechs Ringstände. Durch diese Konzentration ließen sich sowohl die Strasse Roermond- Wassenberg (N570), das ebene Rurtal sowie der Zugang zum Waldgebiet „De Meinweg“ sperren. In diesem Abschnitt wurden die Ringstände 25, 28, 29 in den 90er Jahren mit Stahltüren verschlossen bzw. für Fledermäuse hergerichtet. Ob dieser Abschnitt präzise der Maas-Rur- oder der entlang der Rur verlaufenden Maas-Stellung zuzuordnen ist, ist zu diskutieren. Jedoch sind entlang der Rur bisher sonst keine Ringstände erhalten geblieben.
Im Waldabschnitt „De Meinweg“ zwischen der Bahnlinie am Ringstand 24 und dem Rothenbach sind Fragmente des Panzergrabens in einigen Parzellen erhalten geblieben. Bei den Feldstellungen handelt es sich im Prinzip um einen durchgehenden Laufgraben, der meist parallel zu den vorhandenen Waldwegen verläuft und so dem Verlauf östlich des Panzergrabens etwa entlang der Höhenlinie 40 folgt. Von diesem Laufgraben zweigen Verbindungen ins Vorfeld sowie zu rückwärtigen etwa 4 mal 4 Meter großen Erdbunkern ab, die in regelmäßigen Abständen, etwa ein Bunker pro Parzelle, angelegt wurden. Im Bereich des Nationalparks sind diese Stellungen fast vollständig erhalten (siehe Abb.3).

 

Kriechgräben im Naturreservat „De Meinweg“
Kriechgräben im Naturreservat „De Meinweg“

 

Panzergraben im Naturreservat De Meinweg
Panzergraben im Naturreservat „De Meinweg“, der im Rahmen einer Themenausstellung 2006 freigelegt wurde

 

Panzergraben am ehem. Bhf Rosenthal
Panzergraben am ehem. Bhf Rosenthal

Südlich des Rothenbachs verläuft die Stellung parallel zur L117 bis auf die Höhe der Deponie Rosenthal. Bis zu diesem Punkt findet sich in etwa 50-100 Metern Abstand östlich des Panzerhindernisses das bekannte Erdstellungssystem jedoch ohne Betonanlagen. An der Deponie teilte sich der Panzergraben T-förmig. Nordöstlich läuft der Graben Richtung ehemaliger Bahnhof Rosenthal, überspring dort den Gleiseinschnitt und verläuft etwa einen Kilometer nordwärts parallel der ehemaligen Gleisanlage Richtung Dalheim. Südwestlich verlief der Panzergraben nördlich des Gutes Kromland an einem weiteren Ringstand (32) vorbei, weiter östlich Effeld und endete in den Panzergraben, der parallel der Rur verlief etwa in Höhe des heutigen Effelder Waldsees.

Im Bereich des Gutes Kromland lassen sich heute nur geringfügige Fragmente von Laufgräben nachweisen. Östlich des ehem. Bahnhofes Rosenthal können Laufgräben parallel zur Rödger Bahn sowie parallel zum Gleiseinschnitt in Richtung Dalheim auf der Hanghöhe aufgefunden werden. Hier fand die Stellung Anschluss an das Feldstellungssystem des alten Westwalles, der durch den Birgeler Wald verlief. Es sind dort fünf Ringstände bekannt: Gut Kromland (32), Deponie Rosenthal (31,31a), Zollstrasse Rosenthal (33) und Schloss Elsum (34), der mittlerweile durch Kanalbauarbeiten entfernt wurde.

Pfosten mit Metallgewinden
Bei diesen Pfosten mit Metallgewinden könnte es sich um eine Sperranlage unbekannten Typs handeln, mit der Aufgabe die einzige Querung der Dalheimer Bahn über die Bahnlinie Dalheim-Wassenberg zu sperren. Im Vorfeld können dort große Natursteinquader am Wegrand beobachtet werden, die einmal demselben Zweck gedient haben könnten.

Detailkarte südlicher TeilNr. 32Nr. 33Nr. 22Nr. 23Nr. 24Nr. 25Nr. 26Nr. 27Nr. 28Nr. 29Nr. 29Nr. 30Nr. 31
Detailkarte südlicher Teil

3.1 Feldmäßige Anlagen:
3.1.1. Ringstand 58c:

In der Maas-Rur-Stellung wurden  Beton-Kleinstanlagen des Typs 58c (Ringstand) erbaut. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind 40 Standorte lokalisiert, wobei 9 Anlagen bereits entfernt oder übererdet wurden. Davon befinden (befanden) sich 25 Bunker auf niederländischem Terrain und 15 auf deutscher Seite. Ringstände in Stahlbetonausführung sollten Schutz vor Granatsplittern, Gewehrbeschuss und Bordkanonen bieten. Ebenfalls waren sie unanfälliger gegen Witterungseinflüsse als Stellungsbauten aus Holz. Für den Bau von Ringständen in Holzausführung in der Stellung gibt es bisher keine Hinweise.
Ringstände, eine italienische Erfindung, zählten zu den feldmäßigen Anlagen und hatten in der Regel eine Wandstärke von 0,4 m Stahlbeton. Die Stände für leichte Infanteriewaffen haben einen Ringdurchmesser von 0,8 m. Die Stände wurden von den Italienern in Nordafrika u.a. in Tobruk eingebaut, die Engländer nannten sie daher auch „Tobruk pits“.
Die Bauformen wurden von den Deutschen übernommen und fanden zuerst im Atlantikwall Verwendung. In den Wüstengebieten Nordafrikas boten die Stände den Schützen, da die Vegetation fehlte, einen guten Überblick und das trockene Klima machte einen Aufenthalt in den Löchern erträglich. In Deutschland konnte man nur hoffen, dass der Gegner vor oder nach der Vegetationsperiode angreifen würde, denn der Einbau an Punkten, die auch im Sommer frei von Bewuchs waren, konnte sicherlich nur in den wenigsten Fällen erfolgen.
Die Form der Ringstände leitet sich von dem im Atlantikwall als offene Beobachter in die Flügelmauern der Bunker eingebauten Ständen ab. Bei der Bauform 58c handelt es sich um eine im Bereich des Kampfraumes achteckige Anlage. Der Durchmesser des Kampfraumes betrug 1,4 m. Im oberen Teil verengte sich der im lichten 1,35 m hohe Raum zu einer kreisförmigen Öffnung von 0,8 m. In den Rand der Öffnung wurde eine L-förmige Winkelschiene von 4 cm Höhe  eingebaut.2) Der MG-Ringstand erlaubt den Einsatz:

    1. des MG 34 und 42 als le. MG, sowie MG 08/15 , MG 30
    2. der folgenden Beutewaffen:
    Flieger MG 29 mit behelfsmäßiger Unterstützung, MG 31, MG 26 mit Unterstützung außerhalb des Führungsringes, MG24/29 unter Erhöhung des Bodenauftrittes
    3. des MG 34 mit Lafettenbrett I.R.679 als s.MG
    4. des MG 34 mit Schlitten als s.MG
    5. der Panzerbüchse
    6. des 5cm Granatwerfers
    7. des Flammenwerfers
    8. des Scherenfernrohres (Beobachtungsstand)
    9. von Beutekampfwagendrehtürmen8)

Über drei Stufen gelangte man aus dem Kampfraum in einen tiefergelegenen, mit einer 0,4 m starken Betondecke versehenen Unterschlupf von 1,1 mal 1,6 m Größe und 1,9 m lichter Höhe. In der Seitenwand des Unterschlupfes befand sich die 1,2 m hohe und 0,8 m breite Türöffnung in den Laufgraben. In den Unterschlupf konnte ein kleiner Ofen eingebaut werden, für dessen Ofenrohr sich ein extra Loch in der Wand neben der Tür befand.

MG-Ringstand aus Stahlbeton
Abb.1: MG-Ringstand aus Stahlbeton

Zum Bau eines solchen Ringstandes benötigte man 1/10 Arbeitskräfte darunter einige Zimmerleute, Betonfacharbeiter und etwa 25 Tage Zeit. Zum Bau eines Ringstandes 58c (Gesamtgewicht rd. 25 Tonnen) mussten 55 m3 Erde ausgehoben werden und es wurden rd. 11m3 Beton benötigt8). Zur Abdeckung und Tarnung der Stände benutzte man mit Pappe benagelte Bretter, die gleichzeitig bei schlechtem Wetter als Regendach dienten.2)
Die Anlagen der Maas-Rur-Stellung, die in freiem Feld und offenen Gelände gebaut wurden, stehen 50- 150 cm aus der Oberfläche heraus. Dies geschah vermutlich um einer größere Übersicht über das weite Gelände zu erhalten und Störungen durch Bewuchs/ Schneefall zu vermeiden. Zur Tarnung wurden dann Erdwälle um den Ringstand aufgeschüttet.
Die Stände in den Waldstellungen sind ebenerdig am Steilhang eingebaut und anschließend übererdet worden.
Die Anlagen, die sich an einfach zugänglichen Orten befinden, wurden in der Nachkriegszeit meist mit Betondeckeln verschlossen oder zugemauert um Unfälle zu vermeiden. Vier der Anlagen auf niederländischer Seite wurden vom Staatbosbeheer bzw. der Stichting Limburg verschlossen bzw. als Überwinterungsmöglichkeit für Fledermäuse eingerichtet. Die versteckten und schwer zu erreichenden Ringstände sind meist gut erhalten, zugänglich und verschont vom allseits vorhandenen Wohlstandsmüll.
Interessant sind die unterschiedlichen Detailausführungen bei der Erstellung der Ringstände in den unterschiedlichen Abschnitten. So findet man Ausführungen mit  sechseckigem Abschlusskragen (Nr.1-4),
mit rundem ebenen Abschlusskragen (Nr. 5- 16), sowie mit einem mehr oder weniger hohem Abschlusswulst ohne Kragen (Nr. 16a-34). Dieses Muster lässt sich  entweder mit der Ausführung durch verschiedene Abschnittsgruppen (I-III s.u.) oder durch das begrenzte Vorhandensein von entsprechenden Schalungsformen erklären.
Ähnliche Variation gab es bei der Ausführung der festeingebauten Auftritte. Diese wurden entweder als einfache Winkeleisen (siehe Nr. 19), als Betonstiegen (siehe Nr.24) oder als Aussparungen in der Seitenwand (siehe Nr.20a, b) ausgeführt. Je nach angenommener Wirkrichtung wurden fünf der erhaltenen Anlagen seitenverkehrt errichtet (siehe Nr. 20, a, b, 21,23).
Bei keiner Anlage wurde die planmäßige Aussparung für das Ofenrohr ausgeführt.

Soldat im Ringstand
Abb.1.1: Soldat im Ringstand

3.1.2 Erdanlagen:

In weiten Teilen der Stellung ist auch heute noch ein vorgelagerter Panzergraben erhalten. Messungen an besonders gut erhaltenen Teilstücken haben ergeben, dass es sich durchweg um einen Panzerabwehr-Spitzgraben im Teilausbau handelt mit einer Weite von etwa 3,50 m und einer Tiefe von 2,50 m (siehe Abb. 2). Südlich der B230 wurde das Panzerhindernis auf einem Teilstück als Kletterhang ausgeführt.

Panzerabwehr-Spitzgraben
Abb. 2: Panzerabwehr-Spitzgraben

Das rückwärtige Grabensystem entspricht, sofern heute noch erhalten, den unter den damaligen Verhältnissen üblichen Ausführungen als gestaffeltes System mit Annäherungsgräben und Verbindungsgräben. In den gut erhaltenen Stellungsteilen konnten noch Gabentiefen bis etwa 1,2 m gemessen werden (Verbindungsgraben). In vielen vorgelagerten Bereichen konnten nur geringe Tiefen nachgewiesen werden. Wahrscheinlich wurden diese als Kriechgräben mit 0,6 m Tiefe ausgeführt (siehe Abb.3).

Vorzufindendes Grabensystem

Vorzufindendes Grabensystem
Abb.3: Vorzufindendes Grabensystem (schematisch) der Stellung

Reste von rückwärtigen Unterständen finden sich noch in vielen Waldgebieten als etwa 4 mal 4 Meter große und etwa 2 Meter mächtige Vertiefungen, in denen einfache Bunker in Rundholzausführung, vermutlich wie Halbgruppenunterstand ( 2,9 mal 2,9 Meter), eingebaut waren.

4.1 Geschichte:
4.1.2 Der feldmäßige Ausbau:

Der Ausbau der einzelnen Stellungen oblag an und unmittelbar hinter der HKL den dort eingesetzten Kampftruppen, dahinter leitete bis zum Aufbau einer Festungspionierorganisation das Oberkommando Festungsbereich West den Ausbau.
Ab Oktober 1944 führten Festungspionierkommandeure unter dem Kommando der Kommandantur der Befestigungen Niederrhein den Ausbau durch. Den Fest. Pi. Kdr. standen für ihre Aufgaben je zwei bis drei Fest. Pi.Stäbe und das Volksaufgebot zur Verfügung.
Für den Ausbau der Stellung auf dem Ostufer der Maas, der Maas-Rur-Stellung, dem Westwall als zweiter Stellung sowie der Niers-Stellung war der Festungspionierkommandeur XXI zuständig (Gen.Maj. Eimler). Der Gefechtsstand des Fest.Pi.Kdr. lag in Hüls bei Krefeld. Die Ausbaugrenze reichte vom Rhein im Norden bis südlich der Linie Geilenkirchen- Erkelenz- Wanlo- Düsseldorf. Dem Fest.Pi.Kdr.XXI waren die Fest.Pi.Stäbe 12 und 27 unterstellt.
Der Fest.Pi.Stab 27 (Oberst Michelmann) wurde ab 10.9.1944 im Südabschnitt des Fest.Pi.Kdr XXI zwischen Venlo und Vlodrop eingesetzt. Nachdem am 9.9.1944 als Standort Kempen vorgesehen war, finden wir den Stab am 10.9 in Süchteln, am 15.1.1945 in Vorst und am 14.2.1945 in Osterath.
Der Fest. Pi. Stab 27 gliederte sich in die Abschnittsgruppen I-III.
Für die Arbeiten in der Maas-Rur-Stellung war die Abschnittsgruppe I/27 unter Hauptm. Michels zuständig, die am 7.10.44 in Venlo lag und Ende November nach Oedt verlegt wurde.
In dem vom Fest. Pi. Stab 27 geleitete Ausbau der Maas-Rur-Stellung arbeiteten z.B. am 10.11.1944 rund 6668 Mann. Das vom Westufer der Maas seit Mitte Oktober 1944 stärker werdende gegnerische Artilleriefeuer machte es Ende November fast unmöglich, hier zu Arbeiten. So wurden am 28.11.1944 nur noch 411 Mann eingesetzt, am 12.12.1944 wieder 918 Mann, aber am 25.12.1944 erneut lediglich 250 Mann.1,2)
„ Eine weitere Beeinträchtigung des Elmpter Gemeindewaldes trat ein, als 1944 für den Bunker- und Stellungsbau von den deutschen Truppen über 2000 Festmeter Kiefernstammholz ohne jede Kontrolle geschlagen wurden. Durch den Ausbau von Panzergräben und Stellungen, die zum Teil noch heute im Grenzwald zu sehen sind, wurden insgesamt 45 Hektar Waldbestände vernichtet. [...] Zum Ende des Krieges hin wurden darüber hinaus ca. 1000 Festmeter Kiefernstammholz durch Artilleriebeschuss zersplittert und auch nach dem Zusammenbruch entstanden größere Schäden durch die Sprengung von Munition und Blindgängern. Die nicht wehrfähigen Männer wurden zum Volkssturm aufgerufen und hatten Bäume im Elmpter Wald zu fällen. Sie mauerten diese an einigen Stellen der Strassen in Beton ein, damit sie als Panzersperren dienten. [...]“4)

Einschüsse an einer Garage
Die Schanzarbeiten wurden immer wieder durch Angriffe von Jagdbombern unterbrochen. Einschüsse an einer Garage des ehem. Bhf. Rosenthal in unmittelbarer Nähe des Panzergrabens.

Die Beschaffung der benötigten Arbeitskräfte, das sogenannte Volksaufgebot, war Sache der Partei bzw. des Gaus Düsseldorf, der in Viersen eine  Befehls- oder Leitstelle hatte.
Das Volksaufgebot rekrutierte sich aus unterschiedlichsten Quellen. Teilweise wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den besetzten Gebieten eingesetzt, teilweise wurde die Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden zu Schanzarbeiten herangezogen. “Durch Zivilarbeiter aus den Rückwärtigen Gebieten wurden Panzergräben, Panzersperren und Laufgräben gebaut. Flak- und MG-Stellungen verstärkten die Verteidigungsstellungen, die sich westlich Kaldenkirchen und Bracht entlang der limburgischen Grenze hinzogen.” 3)
“Die ganze Gegend (Anm. :um Wassenberg) wurde mit Panzergräben, Schützengräben, MG- Nestern, Batteriestellungen ausgebaut. “ 6)
Die Chronik der Schule An der Wae (Elmpt) berichtet in diesem Zusammenhang:
“Als der Geschützdonner immer näher kam, musste am 6.September 1944 auf polizeilichen Befehl die Schule geschlossen werden. Dann wurde Stroh in den Schulsaal gefahren und schon ein paar Tage darauf die schule mit 35 Flak-Soldaten belegt. In der ganzen Gegend mussten Panzergräben und Schützengräben ausgeworfen werden.[...]”4)
Das dieser Arbeitsdienst keinesfalls freiwillig war und wie menschenverachtend unter diesem Regime gehandelt wurde, daran erinnert ein Mahnmal an der deutsch-niederländischen Grenze nahe der  B230.
Unweit dieser Stelle wurden am 26. Dezember 1944 dreizehn Bürger aus Roermond und ein polnischer Staatsbürger von einem Exekutionskommando der 7. Fallschirmjägerdivision erschossen, die der Weigerung zum Arbeitsdienst sowie des Zusammenschlusses in einer deutschfeindlichen Organisation beschuldigt wurden.4)

4.1.3 Die Verteidiger:

Im Dezember 1944 lag der nördliche Stellungsabschnitt im Befehlsbereich der 7. Fallschirmjägerdivision mit Generalmajor Rudolf Goltzsch als Befehlshaber, der seinen Befehlsstand in Elmpt aufgeschlagen hatte.4)Die unter dem Oberkommando der 1.Fallschirmjäger-Armee stehende Division gehörte bis zum Oktober 1944 zur Heeresgr. B. Mit Aufstellung der Heeresgr. H am 11.11.44 gingen die 1.FS-Armee in diese Heeresgruppe über. Die Grenze zwischen den Heeresgruppen verlief vom 13.11. bis 15. 12. 44 in der Linie nördlich Mönchengladbach- südlich Roermond.7)
Der südliche Teil der Riegelstellung im Raum Wassenberg lag im Bereich der 176. Infanterie-Division, die ihren Gefechtsstand im Schloss Elsum hatte.1) Sie schloss mit ihrem rechten Flügel an die 7.FS-Division an und war an dieser Stelle bis 1. März 1945 ebenfalls der 1.FS-Armee H.-Gr. H unterstellt, während der südliche Großteil der 176 I.D. der 15.Armee der H.-Gr. B unterstand.1)3)5)7)
Weihnachten 1944 wurde die 7.FS- Division  von der 190. Infanterie-Division abgelöst, welche zu diesem Zeitpunkt die Verteidigung des Maasabschnittes zwischen dem Wald nördlich Oijen und Beesel übernahm. Infolge der am 8.Februar 1945 anlaufenden englisch- kanadischen Offensive im Reichswald bei Kleve musste sie ihren Nordflügel entlang der Maas bis Bergen verlängern, dafür aber im Süden den Abschnitt Beesel- Tegelen an die 8. Fallschirmjägerdivision abgeben. Auch diese wurde bald nach Norden abgezogen.1)
Im Rückwärtigen Bereich der Stellung war im Februar und März 1945 nördlich der 176 I.D. die 406 I.D. aufgestellt.5)

4.1.4 Der Zusammenbruch:

Bis kurz vor der amerikanischen Ruroffensive der Operation “Grenade“
zwischen Düren und Ratheim am 23.Februar 1945 rechnete die Führung der deutschen Wehrmacht mit einem alliierten Vorstoß über die Maas, wie das OKW am 10.02.45 berichtet: “Trotzdem steht der Oberbefehlshaber West auf dem Standpunkt, dass der Kampf im Raum Venlo, wo der Hauptangriff zu erwarten ist, die Hauptsache sein und deshalb die Masse seiner Reserven    (des Feindes) in diesem Raum zusammengehalten werden soll.[...]“ Denn bereits am Vortag wurden Umverteilungen der alliierten Streitkräfte festgehalten. 09.02.45: „ Die Briten traten den Abschnitt ostwärts Roermond an die Amerikaner ab und machten dadurch ihr XII. Armeekommando frei. Sie haben jetzt in Front ein Korps. Offensichtlich wird der Grossangriff beiderseits Venlo erfolgen.“
Das diese Vermutungen sich nicht erfüllten, sollte spätestens mit dem Überschreiten der Rur am 23.02.45  durch die Amerikaner klar werden.
Am 28.02.45 berichtet das OKW: „[...] Die Amerikaner übernahmen die Maasfront bis mind. Nördlich Venlo. [...]10)
Bei diesen Umgruppierungen handelte es sich aber lediglich um Sortierungs- und Entlastungsmaßnahmen zugunsten der Briten, deren Offensive im Reichswald bei Kleve bereits in vollem Gange war.
So berichten amerikanische Quellen am 28.02.45 bereits vom östlichen Rurufer: „Kampfverbände des auf der linken Flanke vorgehenden XVI. US-Korps können im Norden etwa 3-4 Meilen an Boden gewinnen. Einheiten der
35. Infanteriedivision nehmen Rödgen, Wildenrath und den Bahnhof Vlodrop (137. Inf.-Regiment); das 134.Inf.-Regiment besetzt Ophoven, Steinkirchen, Effeld, Birgelen und Rosenthal. Das 320. Regiment bereitet sich auf einen massierten Panzerangriff auf Venlo vor, welches 20 Meilen nördlich liegt [...]“3)
Damit war bereits am fünften Tage der US-Offensive der südlichste Stellungsteil verlorengegangen. Daraufhin zogen sich die Reste der 176. Infanterie-Division nach Osten zurück um nicht durch einen nach Nordwesten gerichteten Vorstoß der Amerikaner abgeschnitten und aufgerieben zu werden. 1)
Ebenso wie für die Stellungen des Westwalls war für die Maas-Rur-Stellung zu erwarten, dass der Gegner sie nun von Süden her aufrollen oder im Rücken umgehen würde. Die Amerikaner berichten weiter: „[...] Denn nun musste der Feind daran denken, einzelne zurückhängende Truppenteile und –flügel von den Verteidigungsstellungen des Westwalls südlich Venlo herauszuziehen, da der Vormarsch des XIII. (Anm.:XVI.?) Korps nach Norden deren Lage prekär werden ließ. Piloten von Aufklärungsflugzeugen berichteten von Absetzbewegungen des Ersatzbattallions (Anm.:190 I.D.?), das erst kurz zuvor die 8. Fallschirmjägerdivision im Roermonder Gebiet ersetzt hatte, als diese Einheit nach Norden verlegt worden war um den Vormarsch der 1.Kanadischen Armee aufzuhalten.[...]“3)
Ab diesem Zeitpunkt darf also die Maas-Rur-Stellung als nicht mehr besetzt angesehen werden. Die Befürchtungen der deutschen Verteidiger sollten sich als nicht unbegründet herausstellen:„1. März: Das vielleicht auffallenste Ereignis trat ein, als das XVI.Korps eine motorisierte Kampftruppe, die aus dem 320. Inf.-Regiment der 35. Division und dem 784. Panzerbatallion bestand, nach Norden in Richtung Venlo schickte. Nur gelegentlich durch leichten Wiederstand aufgehalten, rollte die Kampfgruppe die Strasse (Anm.: die B 221) hinunter und erreichte bald die Stadt Venlo, [...] die nun von hinten her ohne irgendwelche Kampfhandlungen genommen wurde. Kavallerie-Patrouillen gelangten bis nach Roermond und stellten fest, dass diese Stadt zwar unbesetzt, aber stark vermint war.“ 3)
Woanders heißt es: „ [...] Der Wert dieser Stellungen wurde allerdings illusorisch, als der Feind nicht von der Maas, sondern von rückwärts zu den Verteidigungsanlagen vordrang- und als keine Soldaten und kein Material mehr zur Verfügung standen, um die Stellungen zu besetzten. [...]“3)
Diese amerikanische Kampfgruppe, stieß also am 1.März 1945 über Niederkrüchten- Brüggen- Bracht- Kaldenkirchen nach Venlo im Rücken der Maas-Rur-Stellung vor, bewegte sich also im Korridor zwischen der Maas-Rur-Stellung und dem Westwall, was auf jeden Fall das Ende der Stellung bedeutete.  Sicher ist, dass die Maas-Rur-Stellung in ihrer ursprünglichen Aufgabe als Verteidigungsstellung nie benutzt wurde.

5.1 Literatur:

1) Groß, Manfred u.a.: Der Westwall, Vom Denkmalwert des Unerfreulichen, Rheinlandverlag Köln, 1997

2) Groß, Manfred: Der Westwall zwischen Niederrhein und Schnee-Eifel, Rheinlandverlag Köln, 1982

3) Groß, Manfred: Bunker am Prinsendijk im Brachter Wald, Heimatbuch des Kreises Viersen 1985

3) Ludwig Hügen: Der Krieg geht zu Ende, Niederrheinische Berichte zur Operation Grenade 1945, Schriftenreihe des Kreises Kempen-Krefeld, 1974

4) Ludwig Hügen: Zwischen Schwalm und Grenzwald: Geschichte der Altgemeinden Elmpt und Niederkrüchten, kein Verlag, Willich 1993

5) Hans Kramp: Rurfront 1944/45, Verlag Fred Gatzen Geilenkirchen, 1981, Karte Seite 581

6) Heinrichs, Heribert: Wassenberg, Kühlen Verlag, 1987

7) Mennel, Rainer: Die Schlussphase des 2.Weltkriegs im Westen 1945, Biblio-Verlag, Osnabrück, 1981

Sonstige Quellen:

8) Merkblatt 57/5“ Bildheft neuzeitlicher Stellungsbau vom 1. Juni 1944“, Berlin 1944
siehe dazu auch: W. Fleischer: Feldbefestigungen des deutschen Heeres 1939-1945, Podzun-Pallas 2004

9) Brit. Stellungskarten nach Luftbildern, War Office 21.10.1944

10) NS maken eind aan Tramtunnel in Tegelen: Dagblad voor Noord-Limburg (NL), 11. November 1995

11) Kriegstagebuch des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) an das Führerhauptquartier, Band IV; II. Lagebuch 1.Februar- 28 Februar 1945

12) Alle Bilder unterliegen dem Copyright des Autors oder von Herrn P. Janssen, Venlo

13) Das Kartenmaterial unterliegt dem Copyright des Landesvermessungsamt NRW und gibt Auszüge aus den Kreiskarten Viersen/Krefeld sowie Heinsberg 1:50000 wieder.

Danksagung:

Ich danke Herrn Peter Janssen, Venlo für die freundliche Unterstützung und Überlassung vieler Bilder und Dokumente, sowie vielen anderen Personen für ihre Mithilfe; dem Landesvermessungsamt NRW für die freundliche Zurverfügungstellung des Kartenmaterials sowie Herrn Manfred Groß, Meckenheim für die Inspiration zu dieser Arbeit.

 

Maas-Rur