Der Westwall
Der Westwall mit seinen rund 18000 Bunkern, Kampfanlagen und größeren Stellungen, gehörte zu den Großbauprojekten der NS-Diktatur. Im Jahre 1936 begonnen, wurde der Westwall vor allem ab Mai 1938, unter dem Druck des heraufziehenden Krieges, zu einer hastigHöckerlinie in der Eifel und unter enormen Aufwand errichteten Landesbefestigung entlang der dt. Westgrenze. In den Jahren 1936/37 wurde der "Ettlinger Riegel" errichtet, der aber ausnahmslos aus Bunkern geringerer Baustärken bestand. Der Ettlinger Riegel verlief über eine Entfernung von etwa 10km Länge vom Ostufer des Rheines bei Rheinstetten bis nach Malsch am Nordrand des Schwarzwaldes. Die Errichtung der Befestigungen am Isteiner Klotz als Bestandteil des Westwalls begann bereits 1936. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden hier nach und nach 113 Westwallbunker errichtet.

Mit ihren Wand- und Deckenstärken von bis zu 3,5 m (
Ausbaustärke A) galten sie als die am stärksten befestigten Anlagen des gesamten Westwalles am Oberrhein. Die einzelnen Bunker wurden durch ein 2 km langes System von Hohlgängen und Stollen miteinander verbunden. An der Oberfläche des Isteiner Klotzes wurde eine 105 Tonnen schwere Panzerkuppel für die Gefechtsbeobachtung gebaut. Regelbau 10a - Burgberg bei Bergstein
Durch das Oberkommando des Heeres (OKH), Inspektion der Festungen, erging im Frühjahr 1938 der Befehl, an der Westgrenze ständige Anlagen zu bauen. Hierbei handelte es sich um das so genannte Pionierprogramm 38, zu dem auch die
Grenzwacht in Monschau (Ausbaustärke C) gehörte. Ab Mai 1938 war der bisherige "Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen" mit der weiteren Baudurchführung am Westwall beauftragt. Hierbei handelte es sich um den Ingenieur Fritz Todt, nach ihm wurde auch die zum Bau der Westwallbunker beauftragte Organisation, die so genannte "Organisation Todt" (OT) benannt. Nun lief das so genannte "Limes-Programm" an. Zum Limes-Programm gehört auch der Regelbau 10a auf dem Burgberg bei Bergstein (Bild oben) und die beiden Regelbauten 10a in Kerschenbach. Ab Frühjahr 1939 lief schließlich das "Aachen-Saar-Programm" an, das auf den bisherigen Erfahrungen im Bunkerbau aufbaute: Deckenstärken wurden erhöht, stärkere Panzerungen wurden verwendet und eine bessere Raumaufteilung der Bunker am Westwall wurde realisiert. Die Bunker Innenansicht eines Bunkers im Aachen-Saar-Programm - Sonderkonstruktion 6a Baunr. 153 - Aachener Stadtwalddes “Aachen-Saar-Programm” wurden westlich der Bunker des “Limesprogramm” errichtet und bildeten eine Linie zwischen den Städten Aachen und Saarbrücken. Diese beiden Städte, die ursprünglich westlich der Verteidigungslinie lagen, wurden in das Programm mit eingeschlossen und so schließlich auch geschützt. Ein Beispiel für einen Bunker aus dem Aachen-Saar-Programm ist der Bunker 153 mit der Typenbezeichnung SK 6a im Stadtwald Aachen.
1939 bis 1940 wurde mit dem Bauprogramm am "Orscholzriegel" begonnen. Der Orscholzriegel verlief von Trier bis Nennig entlang der Mosel. Hier wurden mehr als 70 Bunker und etwa 10 Kilometer Panzersperren errichtet.
Ebenfalls in den Jahren 1939/40 wurde die "
Geldern-Stellung" erbaut, die von Brüggen in Richtung Norden nach KlevePanzermauer am Wachtelkopf in der Nähe von Aachen verlief und die nordwestliche Grenze schützen sollte. Der Westwall entwickelte sich durch diese Bauprogramme zur damals modernsten Befestigungsanlage. Die einzelnen Bunker und Kampfstände waren unabhängig und dienten ausschließlich zur Unterbringung der Infanterie. Es entstanden also sich gegenseitig deckende Bunker, die als Einzelkampfanlagen geplant und realisiert wurden. Verteidigende Einrichtungen, wie die Höckerlinien, Panzermauern (Bild links) und Panzergräben sollten gegnerische Infanterie und Panzer stoppen. Nur an strategisch wichtigen Punkten wurden so genannte B-Werke (auch B-Werksgruppen oder Panzerwerke genannt) errichtet. B-Werke hatten eine Ausbaustärke von 2 Metern an Wänden und Decken. Insgesamt wurden von diesen Anlagen aber nur 32 Stück errichtet, von denen heute nur das B-Werk am Katzenkopf in Irrel und das Panzerwerk in Besseringen besichtigt werden können.
Die Pläne der Bunker, die am Westwall errichtet wurden, beruhten auf nahezu 100
Regelbauten, die die Verfügbarkeit von Material zum Bau der Anlagen und eine Kompatibilität der Waffen gewährleisten sollten. Sonderkonstruktionen (SK)SK/6a Nr. 153 - Aachener Stadtwald wurden nur da errichtet, wo die Errichtung von einem Regelbau nicht möglich war. Zwei Beispiele für Sonderkonstruktionen am Westwall sind der in den Hang eingelassene Bunker am Stausee in Kronenburg in der Eifel und der Bunker mit dem Bautyp SK/6a im Aachener Stadtwald (Plan rechts).

Hinter den Linien des Westwalls gab es die bis zu 25 Kilometer Breite Luftverteidigungszone West, die so genannte LVZ-West. Die LVZ-West bestand aus einer massiven Aneinanderreihung von Flak-Stellungen, die die Bunker am Westwall und das Hinterland (zu der Zeit entmilitarisierte Zone) vor Fliegerangriffen sichern sollte. Am Ende der Bautätigkeiten arbeiteten nahezu 500.000 Menschen am Westwall, dessen Bau die enorme Summe von über 3.500.000.000 Reichsmark verschlang.
Neben seiner militärischen Bedeutung als Ausgangsstellung oder Verteidigungslinie sollte der Westwall auf einen potenziellen Aggressor durch die mächtige Anzahl der Bunker vor allem abschreckend wirken. Das Ausland verfolgte (trotz anfänglicher Geheimhaltung) die Baumaßnahmen der Bunkeranlagen mit größtem Interesse, so dass sich bald anbot, den Westwall weiter über seine militärische Bedeutung hinaus, propagandistisch einzusetzen. Das Ergebnis war ein außerordentlich hoher Bekanntheitsgrad des Westwalls bereits in den Jahren 1939/40. Die Westwallpropaganda verfehlte ihre Wirkung nicht. Als die Grenzbefestigung 1944 tatsächlich zur Verteidigungslinie wurde, trug das geschaffene Bild von der Unbezwingbarkeit der Bunker kurzfristig späte Früchte. Trotz starker militärischer Überlegenheit attackierten die alliierten Truppen Ende 1944 zunächst nur zaghaft und mit übertriebenem Respekt die mittlerweile veralteten und vernachlässigten Bunker. Der Westwall war nach der Einnahme Frankreichs desarmiert worden, die Waffen und Panzertüren waren zum
Atlantikwall geschafft worden. Der Befehl vom 01. September 1944 den Westwall wieder in Verteidigungsbereitschaft zu versetzen war sinnlos. Die Entwicklung  der gegnerischen Waffen hatte den Westwall um fünf Jahre überholt. Die deutschen Truppen waren auch nicht mehr in der Lage den Westwall auf ganzer Länge in voller Stärke zu besetzen. An einigen Stellen wurden so genannte Volksgrenadierdivisionen eingesetzt - Truppen, die größtenteils aus älteren und ganz jungen Menschen bestand, die in keinster Weise wehrtechnisch ausgebildet waren. Auch im Buhlert (Bild unten) kam eine dieser Divisionen (272) zum Einsatz.

Bunker 132 im Waldstück Buhlert in der Eifel

So spielte der Westwall nur für kurze Zeit eine wichtige Rolle auf dem westeuropäischen Kriegsschauplatz. Mit seinem Fall auf breiter Front Anfang 1945 war der Weg ins Reichsinnere endlich frei. Lediglich im Hürtgenwald waren die deutschen Truppen in der Lage sich einige Zeit zu behaupten. Die alliierten Truppen mussten dabei ihre größte Niederlage im zweiten Weltkrieg verkraften - über 70.000 Soldaten mussten bei der so genannten Allerseelenschlacht ihr Leben lassen um das Nazi-Regime endgültig zu besiegen.

Ab 1946 begannen die Sprengkommandos der alliierten Besatzungstruppen mit der systematischenRegelbau 31 in Bergstein Zerstörung der Westbefestigungen. (Bild unten -
Regelbau 31 in Bergstein) Heute sind die Bunker, die noch vom Westwall übrig sind, in ihrer Existenz bedroht. Denkmalpfleger und Umweltschützer bemühen sich zwar seit einigen Jahren um den Erhalt einzelner Bunker, Anlagen und Ruinen, doch bleiben ihre Anstrengungen oftmals vergebens. Nur bei genauem Hinsehen und gutem Spürsinn kann der aufmerksame Betrachter die Reste des einstigen “Bollwerks im Westen” noch erkennen.
Die Bunker bieten heute geschützten Tier- und Pflanzenarten Schutz. Viele der Westwallbunker sind  inzwischen abgetragen und abgerissen, nur selten bekommt man noch vollständige Bunker zu Gesicht.
Sie befinden sich verstreut und in unwegsamen Gelände, aber auch am Straßenrand, im Dornröschenschlaf unter Dornenhecken, unbemerkt und vergessen...

 

Ausbaustärken am Westwall in den Jahren 1935-1939

Ausbauprogramm

Ausbaustärke

Deckenstärke

Wandstärke

Innenhöhe

Errichtet

Aachen-Saar-Programm

A

3,50 m

3,50 m

2,50 m

1939

Pionierprogramm

A1

2,50 m

2,50 m

2,50 m bis ? m

1936-38

Limes-Programm

B

1,50 m

1,50 m

2,10 m

ab Juni 1938

Pionierprogramm

B1 (alt)

0,80 m

1 m

1,90 m

1938

Kriegsregelbauten

B1-neu

1,50 m

1,50 m

2 m

nach 1938

Kriegsregelbauten

B-neu

2 m

2 m

2,10 m

ab September 1939

Pionierprogramm

C

0,50 m

0,60 m

1,90 m

1938

Grenzwacht

D

0,30 m

0,30 m

1,90 m

1936-38

Ettlinger Riegel

Ohne Namen

0,80 m

0,80 m

1,90 m

1935/36/37

 


Quellen für diesen Bericht:
[“Der Westwall von Kleve bis Basel” Auf den Spuren deutscher Geschichte, Ein Tourenplaner; Dieter Robert Bettinger, Hans-Josef Hansen, Daniel Lois; Verlag Podzun - Pallas; ISBN: 3-7909-0754-5; 2002]

["Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes Band 14"; Geschichtlicher Arbeitskreis Bitburger Land;  Bitburg 1994, ISBN: 0939-0189]

[“Der Westwall - Vom Denkmalwert des Unerfreulichen” - Manfred Groß u.A.
Köln 1998, ISBN: 3-7927-1668-2]

[www.wikipedia.de - Die freie Enzyklopädie]

[Eigene Recherchen und Exkursionen]

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Zeichnung erstellt 2004 von sansculotte@despammed.com. Das Bild ist unter der GNU FDL und der  Creative Commons Share Alike Lizenz zur weiteren Verwendung freigegeben.

 

[Skizze aus: “Der Westwall von Kleve bis Basel” - ISBN 3-7909-0754-5]

Verlauf vom Westwall

 

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